Es ist ein kleines, idyllisches Pärklein an der Langete mit Kunstwerken und viel Grün. Doch zurzeit ist von Idylle im Sagibach-Park nur wenig spürbar. Das Pärklein sorgt im Moment für ziemlich viel Aufregung. Grund ist die Alkohol- und Drogenszene, die sich vom Wuhrareal in den Park am oberen Ende der Marktgasse verlagert hat. Die Anwohner fühlen sich durch die Randständigen belästigt, «und zwar konstant», wie eine Anwohnerin sagt. Verschiedene Quellen berichten, dass sich täglich etwa 20 Personen im Park aufhalten, Alkohol und Drogen konsumieren und ihr Geschäft hemmungslos im und rund um das Pärklein erledigen. Die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, kritisiert die Stadt für ihr Nichtstun. «Wir fühlen uns allein gelassen», sagt sie. Die bisherigen Äusserungen der Stadt zum Thema seien enttäuschend, sogar «eine Bankrotterklärung».

Ein gesellschaftliches Problem

Was meint die Frau damit? In einer Pressemitteilung Ende August erklärte die Stadt, sie werde am neuen Konzept zur Reduktion der Szene im Stadtbild festgehalten. Bei auffälligen Personen würden individuelle Massnahmen in Erwägung gezogen. Stadtschreiber Daniel Steiner wehrt sich jetzt gegen den Vorwurf, die Stadt sei untätig. Auf Anfrage sagt er: «Wir können einzelne Störenfriede herausnehmen. Viel mehr können wir nicht tun.» Steiner stellt klar: Es brauche ziemlich viel, bis der Staat repressiv eingreifen könne. «Wir leben in einer offenen Gesellschaft, die einiges zulässt.» Er zeigt durchaus Verständnis für den Frust der Anwohner, die sich durch die Szene gestört fühlen. «Wenn man unser Konzept abstrakt betrachtet, dann funktioniert es. Aber es ist verständlich, dass die Betroffenen eine andere Sicht und das Gefühl haben, es passiere nichts.»

Gleiches Vorgehen wie auf  dem Wuhrplatz

Steiner betont: Die Stadt gehe nicht weniger streng gegen die Alkiszene vor als noch auf dem Wuhrplatz. Die Massnahmen änderten sich nicht, egal wo sich diese Personen aufhielten. «Wir verfolgen die Ziele unseres Konzepts weiter», sagt er. Dass die Anwohner Unterschriften für eine Petition sammeln (wir berichteten), nimmt Steiner zur Kenntnis. Der Gemeinderat werde sich mit der Petition auseinandersetzen. Eines ist für den Stadtschreiber jedenfalls klar: «Das Problem mit der Alki- und Drogenszene ist nicht örtlich, sondern gesellschaftlich.» Das Ziel sei, das Problem an sich zu lösen.

Drogenumschlagplatz?

Diesen Anspruch teilen die Anwohner, auch wenn es ihnen in erster Linie darum geht, das Problem im eigenen Quartier loszuwerden. Die Randständigen müssten einen Platz in der Stadt erhalten, ansonsten verlagere sich das Problem erneut an einen anderen Ort, sagt Barbara Polyak. Sie wohnt zusammen mit ihrer Tochter unmittelbar neben dem Sagibach-Park. «Einige Leute haben Angst, weil die Leute im Park teilweise aggressiv sind», sagt sie. Kaum schaue man einige von ihnen an, fühlten sie sich provoziert. Es werde vor ihrer Haustür zudem mit Drogen gehandelt. Sie habe das mehrfach beobachtet, behauptet Polyak. Sie befürchtet, in ihrem eigenen Lebensraum verdrängt zu werden. Wie die eingangs erwähnte Anwohnerin in der Farbgasse fühlt sich Polyak ebenfalls ohnmächtig ob der Situation. «Wenn ich einmal Hilfe brauche, werde ich von der Stadt nicht ernst genommen.»

Unterschriften für Petition gesammelt

Viele Anwohner wollen das nicht länger hinnehmen: Sie sammelten deshalb Unterschriften, weit über Hundert sollen es sein. Wie viele genau, das wurde erst gestern Abend bekannt. Die Petition werden sie heute am späten Nachmittag Stadtpräsident Thomas Rufener (SVP) übergeben.

Sie habe gespürt: Das ganze Quartier stehe hinter der Petition, sagt die Anwohnerin. Viele Leute teilten die Sorgen wegen der Szenenbildung. Polyak und weitere Anwohner sind der Meinung, dass es auch gesetzliche Grundlagen gebe, die Szene zu entfernen. Sie berufen sich dabei auf Gesetzesartikel im Bereich des Landesrechts. Ob das tatsächlich zutrifft, liegt allerdings im Zuständigkeitsbereich eines Gerichts.