Perlen
Rückgang beim Papier, Rekord bei Verpackungen: Wie sich die Luzerner CPH-Gruppe zukunftssicher machen will

Die Luzerner Industriegruppe kommt dank Diversifikation einigermassen gut durch die Krise. Die Lage bleibt aber angespannt.

Gregory Remez
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Blick ins Papierlager der CPH Chemie + Papier Holding in Perlen.

Blick ins Papierlager der CPH Chemie + Papier Holding in Perlen.

Bild: Patrick Hürlimann (25. Februar 2020)

Seit Ausbruch der Coronakrise herrscht auf dem Zeitungsmarkt eine paradoxe Situation: Zwar wird wegen des gestiegenen Informationsbedürfnisses mehr Zeitung gelesen, gleichzeitig gehen infolge des erodierenden Werbemarktes sowohl Auflagen als auch Umfänge der Blätter zurück. Diesen Trend bekam 2020 auch die CPH Chemie + Papier Holding zu spüren. Sowohl Umsatz als auch Betriebsergebnis (Ebit) gingen beim Luzerner Papier- und Verpackungshersteller zurück. Nur das Nettoergebnis lag dank der Auflösung von Rückstellungen für Sanierungen am ehemaligen Betriebsstandort in Uetikon ZH sowie eines Landflächenübertrags in Perlen einigermassen auf Vorjahresniveau.

Im Hauptgeschäft, der Herstellung von Zeitungs- und Magazinpapier, brach die Nachfrage förmlich ein. Als Folge davon musste die CPH im Frühjahr 2020 temporär ihre Anlagen abstellen und setzte deutlich weniger Pressepapiere als im Vorjahr ab. Die Überkapazitäten erhöhten den Preisdruck, was sich letztlich in einem Umsatzrückgang der Sparte um 28,5 Prozent niederschlug.

Peter Schildknecht, CEO der CPH-Gruppe.

Peter Schildknecht, CEO der CPH-Gruppe.

Bild: Patrick Hürlimann (25. Februar 2020)

Grund, in Alarmismus zu verfallen, sieht das CPH-Management wegen der verschärften Situation auf dem Papiermarkt – die sich auch 2021 kaum entspannen dürfte – allerdings nicht. Denn auch wenn der Umsatz der Papiersparte erwartungsgemäss zurückging, habe diese ihren Marktanteil in Europa weiter steigern können, sagte CEO Peter Schildknecht an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz. Zudem hätten sich die anderen beiden Bereiche der Unternehmensgruppe trotz Corona sehr erfreulich entwickelt.

Erster Anbieter von klimaneutralem Papier

Im Bereich Chemie ging der Umsatz trotz höherer Nachfrage nach Molekularsieben zur Aufkonzentration von medizinischem Sauerstoff zwar leicht zurück. Doch konnte die Profitabilität dank höherer Produktivität gesteigert werden. Im Verpackungsbereich wurde gar ein Rekordergebnis erzielt. Die Nachfrage nach Medikamentenverpackungen nahm in der Pandemie zu. So kletterte der Bestellungseingang für Blisterfolien auf neue Höchstwerte und sorgte in Europa für voll ausgelastete Produktionsstandorte.

In den beiden Bereichen Chemie und Verpackung verfolgt die CPH seit Jahren eine Wachstumsstrategie – nicht zuletzt, um sich langfristig aus der Abhängigkeit vom Papiergeschäft zu lösen. Im Bereich Verpackung will die CPH deshalb ihre Marktposition in aufstrebenden Pharmamärkten 2021 weiter ausbauen und kündigte an, einen höheren einstelligen Millionenbetrag in eine Beschichtungsanlage in Brasilien zu investieren.

«Die Diversifikation in unterschiedliche Bereiche hat sich gerade im letzten Jahr bewährt», führte Schildknecht aus. Noch vor ein paar Jahren hätte eine derartige Krise zu tiefroten Zahlen geführt, die breite Aufstellung sowie die Umsetzung zahlreicher operativer Massnahmen habe dies aber verhindert. «Es war gar möglich, die Positionen in den jeweiligen Märkten während der Pandemie weiter zu stärken», so Schildknecht. Deshalb wolle man die Differenzierungsstrategie in den Bereichen Chemie und Verpackung auch in Zukunft vorantreiben.

Gleichzeitig solle die Papiersparte aber nicht vernachlässigt werden, ergänzte VR-Präsident Peter Schaub. «Weil der euro­päische Papiermarkt stark konsolidiert ist, streben wir dort weiterhin eine Kostenführerschaft an. Es kann doch nicht sein, dass gewisse Schweizer Firmen massenweise Papier aus dem Ausland importieren und wir wiederum Papier exportieren müssen. Das ist aus ökologischer Sicht gleich doppelter Unsinn.» Zusätzlichen Schub erhofft man sich in Perlen unter anderem durch Innovationen im Bereich Nachhaltigkeit. So bietet die CPH seit Anfang Jahr als erster Anbieter weltweit ein klimaneutrales Papier an.