Erstmals ein Ausländer an der Credit-Suisse-Spitze: António Horta-Osório folgt im April auf Präsident Urs Rohner

Urs Rohner will den 56-jährigen Portugiesen António Horta-Osório an der Spitze des CS-Verwaltungsrates installieren. Seine Nomination kann für die Bank als hoffnungsvolles Signal gewertet werden.

Daniel Zulauf
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Der neue CS-Verwaltungsratspräsident António Horta-Osório an einem Anlass in London vor fünf Jahren.

Der neue CS-Verwaltungsratspräsident António Horta-Osório an einem Anlass in London vor fünf Jahren.

Andy Rain / EPA

Nach dem Zürcher Wirtschaftsanwalt Urs Rohner soll mit dem 56-jährigen António Horta-Osório wieder ein gelernter Banker an die Spitze des Credit-Suisse-Verwaltungsrates treten. Das Gremium will der Generalversammlung vom 30. April den aktuellen CEO der britischen Lloyds Banking Group zur Wahl vorschlagen.

Ein nicht genannt sein wollender Finanzmarktkenner bezeichnet den Portugiesen als «Glücksfall» für die Credit Suisse. Der Manager hatte im Frühjahr 2011 die operative Verantwortung für Lloyds übernommen und das Institut aus einer existenziellen Krise herausgeführt. Unter Horta-Osório zahlte Lloyds die Staatshilfen von 20,3 Milliarden Pfund zurück, die das inzwischen drittgrösste Kreditinstitut Grossbritanniens in der Finanzkrise vor über zehn Jahren erhalten hatte.

Erschöpfung wegen anstrengendem Skandal-Management

In die gleiche Zeit fällt auch die Bereinigung eines der grössten britischen Finanzskandale, in den sich Lloyds durch eine Akquisition im Jahr 2008 quasi selbst eingekauft hatte. Die damals erworbene britische Tochterbank HBOS verkaufte ihren Kreditkunden auf der Insel in unseriöser Weise Versicherungspolicen, mit denen Kreditnehmer ihre Zahlung von Amortisations- und Zinsleistungen absichern sollten. Die Policen erwiesen sich aber als heillos überteuert und in den meisten Fällen auch als nutzlos. Nach einem Gerichtsurteil musste die Bank den geprellten Kunden rund 22 Milliarden Pfund zurückerstatten.

Horta-Osório erhielt nur kurz nach seiner Berufung an die Spitze der Bank Kenntnis von den gravierenden finanziellen Folgen des Skandals für das Institut. In der Folge musste er die Arbeit während zwei Monaten aussetzen, um sich von Erschöpfung und Schlaflosigkeit auszukurieren.

Corona markiert für Lloyds Beginn der nächsten Krise

Inzwischen sieht sich die von der Finanzkrise genesene Lloyds Bank von der Coronakrise bedrängt. Das Institut wird nach eigenen Angaben für das laufende Jahr Kreditrückstellungen von über 5 Milliarden Pfund vornehmen müssen – ein Vielfaches der Rückstellungen aus den guten Vorjahren. Als Folge dieser Rückstellungen musste Lloyds Ende Juli einen Verlust ausweisen.

Horta-Osório hatte seinen Rücktritt bei Lloyds schon Anfang Juli angekündigt. Vor dem fast zehnjährigen Engagement bei Lloyds war der Manager für das britische Kreditgeschäft der spanischen Grossbank Santander und deren Tochter Abbey verantwortlich gewesen. Horta-Osório startete seine Bankkarriere im Alter von 23 Jahren bei der Citigroup in Portugal. In den Jahren danach war er für Goldman Sachs in New York und London tätig. 1993 stiess er zu Santander, wo der in verschiedenen Funktionen die Hierarchiestufen hochklettern konnte.

Horta-Osórios Nähe zum Tagesgeschäft könnte zu Spannungen führen

Mit 56 Jahren ist Horta-Osório ein noch junger Kandidat für das Präsidium der Credit Suisse, der gut noch einige Jahre im operativen Geschäft hätte bleiben können. Seine zeitliche Nähe zum Tagesgeschäft hat nach Auffassung eines Beobachters ein gewisses Potenzial für Spannungen mit dem aktuellen CEO Thomas Gottstein oder mit dem Verwaltungsrat.

Dennoch kann die Nomination von Horta-Osório als hoffnungsvolles Signal für die Credit Suisse gewertet werden. Dies, nachdem die Ära seines Vorgängers Urs Rohner als schwierige Zeit in die Geschichte der Bank eingehen wird. Der gelernte Wirtschaftsanwalt übt die Präsidentenfunktion seit 2011 aus, nachdem er 2009 in das Gremium gewählt worden war und zuvor die Rechtsabteilung geleitet hatte. Die juristische Abarbeitung von Altlasten aus der Zeit vor der Finanzkrise haben den Konzern Milliarden gekostet und noch sind nicht alle Rechnungen bezahlt.

Neuer Präsident muss sich um weitere Altlasten kümmern

Zeitgleich mit der Bekanntgabe der Personalie machte die Bank eine neue grosse Rückstellung in einem Rechtsstreit um mutmassliche Verfehlungen beim Verkauf von hypothekarisch gedeckten Anleihen im amerikanischen Kapitalmarkt publik. Bei dem Rechtsfall geht es um einen potenziellen Schaden von 680 Millionen Dollar, für den die Bank bislang 300 Millionen Dollar zurückgestellt hat und nun eine weitere Rückstellung in noch nicht genannter Höhe vornehmen muss. Auch eine alte Beteiligung an der amerikanischen Investmentgesellschaft York Capital musste die Bank unlängst mit 400 Millionen Dollar wertberichtigen.

Derweil spricht Horta-Osório in der aktuellen Medienmitteilung der Credit Suisse von «einer Zeit grosser Chancen für die Gruppe, ihre Mitarbeitenden, Kunden und Aktionäre».