Credit Suisse
«Vielleicht mit einem Mentor»: Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein wird intern scharf kritisiert

In der britischen «Financial Times» wird heute scharf geschossen gegen den CEO der Credit Suisse. Gottstein sei ohne den nötigen Hintergrund und ohne Ausbildung in die Aufgabe als CEO hineingeworfen worden – dabei ist er seit über 20 Jahren bei der CS.

Niklaus Vontobel
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In der Kritik: CS-CEO Thomas Gottstein.

In der Kritik: CS-CEO Thomas Gottstein.

Ennio Leanza/Keystone

Der neue Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, António Horta-Osório, habe mehr Führungsaufgaben bei der Schweizer Grossbank an sich gerissen, schreibt die britische «Financial Times» heute. Insider würden von einer Machtübernahme sprechen, die Autorität von CEO Thomas Gottstein werde geschwächt. Anscheinend wird dieser Machtkampf nun via das renommierte Wirtschaftsblatt ausgetragen. Denn im Artikel wird scharf geschossen gegen Gottstein, seine Stellung wird untergraben.

Im Moment versuche Horta-Osório noch, Gottstein «zu betreuen und zu coachen», wird ein Insider zitiert, die ihre Beziehung gut kenne. Damit wird Gottstein hingestellt als einer, der seiner Aufgabe nicht gewachsen ist und Betreuung und Coaching braucht von seinem Präsidenten. Das allein wäre schon ein Affront. Doch der Insider darf noch eins drauflegen.

«Es besteht die Überzeugung, dass Thomas ohne Hintergrund oder Ausbildung in diese Aufgabe hineingeworfen wurde und dass er sie vielleicht mit einem Mentor erledigen könnte. Es besteht der Wunsch, ihm eine Chance zu geben, aber es gibt keine Garantie, dass es klappen wird.»

Viel brutaler geht es nicht. Gottstein wird hingestellt als einer, dem das Rüstzeug fehlt für den Job als CEO der Credit Suisse und der gleichsam in den Job «hineingeworfen» wurde. Vielleicht könne man ihm noch helfen, etwa mit einem Mentor, aber ob das gelingen könne, sei offen.

Gleichzeitig wird Horta-Osório dargestellt als ein grosszügiger Präsident, der seinem angeblich überforderten CEO noch eine Chance geben will. Auf dem Schweizer Finanzportal «Inside Paradeplatz» wird der Vorgang gewohnt brachial kommentiert: «Horta-Osorio behandelt CS-Gottstein wie Würstchen.»

Auch Urs Rohner wird hart kritisiert

Zugleich wird im Artikel eine Breitseite abgefeuert gegen die gesamte Ära des vorhergehenden Verwaltungsratspräsidenten Urs Rohner. Eines der Probleme der Credit Suisse in den letzten Jahren sei gewesen, dass es im Verwaltungsrat keine echte Bankkompetenz gegeben habe. Darum habe sich Horta-Osório schon gekümmert, jetzt sei das oberste Management an der Reihe. «Es hat keine grosse Erfahrung im Bankensektor.»

Hinter dieser Offensive steht ein ernst zu nehmender Hintergrund. Die Credit Suisse hat zuletzt kaum einen Skandal ausgelassen. Mit dem Hedgefonds Archegos verlor sie Milliarden von Franken. Beim Skandal um die Finanzboutique Greensill leitete die Bank milliardenschwere Kundengelder in angeblich todsichere Investments. Nun drohen diesen Kunden schwere Verluste. Der Schaden für die Reputation der Credit Suisse war immens. Horta-Osório muss nun durchgreifen, eher der nächste Skandal auch seine Reputation beschädigt – und seine Stellung in der Credit Suisse.

Wie die angeblichen Insider dazu kommen, dass Gottstein ohne «Hintergrund und Ausbildung» zum CEO-Posten gekommen ist, bleibt wohl sein Geheimnis. Gottstein ist immerhin schon seit 1999 bei der Credit Suisse. Unter anderem war er vier Jahre lang CEO der Credit Suisse Schweiz. Gottstein arbeitete auch mehrere Jahre in London, dem Finanzzentrum Europas, er war mehrere Jahre bei der zweiten Schweizer Grossbank UBS und er hält einen Doktortitel in Finanz- und Rechnungswesen von der Universität Zürich.

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