Joe Biden
Boom, Boom, Boom: Die amerikanische Wirtschaft kommt mit Karacho aus der Coronakrise – die Schweiz wird mitgerissen

Die USA kommen unter Präsident Joe Biden mehr als doppelt so schnell aus der Coronakrise wie aus der Finanzkrise - das hilft auch der Schweiz.

Niklaus Vontobel
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Macht Tempo: US-Präsident Joe Biden.

Macht Tempo: US-Präsident Joe Biden.

Leigh Vogel / Pool / EPA

Die sonst nüchtern und trocken schreibenden Analysten der Zürcher Kantonalbank scheinen ins Schwärmen zu geraten. Was sie in den USA derzeit beobachten, das können sie nur noch als «hervorragende Konjunkturdaten» beschreiben.

Es bricht reihenweise Rekorde, was die amerikanischen Unternehmen in Umfragen über ihren Geschäftsgang berichten. Die Umfrageergebnisse werden in Indikatoren zusammengefasst, die Namen tragen wie: «ISM Manufacturing» für die Industrie oder «ISM Services» für den Dienstleistungssektor. In der Industrie erreicht der Indikator, wie es die ZKB schreibt: «den höchsten Wert seit 37 Jahren (!)».

Und der ISM für den Dienstleistungssektor springt um «nicht weniger als 8.4 Punkte» in die Höhe. Damit steht der Indikator auf dem «höchsten je gemessenen Wert seit Beginn der Umfrage im Jahre 1997». Insgesamt signalisieren diese Indikatoren gemäss ZKB-Analysten eine «überaus kräftige Erholung».

So kommt die US-Wirtschaft mit Karacho aus der Coronakrise. Schon in diesem Quartal soll es so weit sein: Die US-Wirtschaft wird die Verluste wettgemacht haben. Sie wird wieder so gross sein wie vor der Krise. Dafür wird sie seit Krisenbeginn gerade einmal 5 Quartale gebraucht haben. Zum Vergleich: in der Finanzkrise hat sie dafür 13 Quartale gebraucht.

Die amerikanische Wirtschaft wird von riesigen staatlichen Ausgabenprogrammen aus der Krise gepuscht. Ein Hilfspaket über 1900 Milliarden Dollar ist bereits bewilligt. Nun will Biden ein Infrastrukturpaket folgen lassen, das 2000 Milliarden kosten soll und möglichst viele gut bezahlte Jobs schaffen soll. Biden sieht die USA in einem grossen strategischen Wettbewerb mit China. Die Ausgabenprogramme sollen helfen, diesen Wettbewerb zu gewinnen.

Selbst in der ewig kriselnden Eurozone boomt die Industrie

In der Eurozone geht es nicht ganz so schnell. Aber auch dort geht es rasch vorwärts. «Die Indikatoren weisen steil nach oben», schreiben die ZKB-Analysten. «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die wirtschaftliche Erholung auch dort kräftig einsetzen wird».

Die Zuversicht hat eine Reihe von Gründen. Es wird schneller geimpft. Im zweiten Quartal wurden nahezu vier Mal so viele Impfdosen ausgeliefert wie im ersten Quartal. Und bereits heute zeigen die Konjunkturindikatoren für die Gesamtwirtschaft ein Wachstum an. Und für die Industrie stehen die Zeichen gemäss ZKB ebenfalls auf «Boom». Der Indikator für die Industrie steht derzeit ebenfalls auf einem Rekordhoch.

Die Schweiz wird mitgerissen

Die Schweiz wird bereits jetzt mitgezogen. Die Grossbank Credit Suisse hat ihren Konjunkturindikator für die Industrie versandt, den PMI. Dieser steht laut Credit Suisse auf Rekordstand. Noch höher stand er bloss im Wirtschaftsboom in den Jahren 2006 und 2007. In beiden Jahren wuchs das Bruttoinlandprodukt jeweils um 4 Prozent, wenn die Inflation abgezogen wird. Der aktuelle Rekordstand erklärt sich gemäss Credit Suisse vor allem damit, dass der Schweizer Industriestandort profitiert vom guten Konjunkturgang in den USA und Asien.

Die KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich erwartet, dass das Schweizerische Bruttoinlandprodukt schon im dritten Quartal 2021 wieder so gross sein wird wie vor Krisenbeginn. Dann wäre die Schweizer Wirtschaft gleich schnell aus der Coronakrise gekommen, wie aus der Finanzkrise. Und dies obschon die Wirtschaft in der Coronakrise viel tiefer einbrach.