«Barometer Gute Arbeit» 2021
Mehr Belastung am Arbeitsplatz: Frauen sind die Verliererinnen der Pandemie

Die Coronapandemie hat die Arbeitsbedingungen verändert. Während die Männer davon tendenziell profitieren, haben die Frauen wenig Grund zur Freude. Allgemein zugenommen hat der Stress.

André Bissegger
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Die Schweizer Arbeitnehmenden sehen bei der Arbeit im Homeoffice Vor- und Nachteile. (Symbolbild)

Die Schweizer Arbeitnehmenden sehen bei der Arbeit im Homeoffice Vor- und Nachteile. (Symbolbild)

Keystone

Die Frauen traf es während der Coronapandemie gleich doppelt hart: Für sie stiegen die Belastungen am Arbeitsplatz, die Entlastungen nahmen jedoch ab. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten «Barometer Gute Arbeit» vom Gewerkschaftsbund Travail Suisse und der Berner Fachhochschule hervor. Eine mögliche Erklärung sehen die Forschenden darin, dass Frauen in Branchen mit einer negativen Entwicklung, wie im Gesundheitswesen oder im Gastgewerbe, übervertreten sind. In Berufen, in denen weniger Frauen arbeiten, wie in der Information und Kommunikation oder im Finanz- und Versicherungswesen, war zudem Homeoffice eher möglich als beispielsweise im Sozialwesen.

Trotzdem: Insgesamt habe die Pandemie die Arbeitsbedingungen eher verbessert. Als gut eingeschätzt werden die Wertschätzung und die Kommunikation in der Krisenbewältigung sowie die Massnahmen im Gesundheitsschutz. Die ausgebaute Kurzarbeit und die rasche Wirtschaftserholung vermitteln zudem Arbeitsplatzsicherheit, wie es weiter heisst.

So viele Leute gestresst wie nie zuvor

Kritisch sieht es hingegen bei der hohen Arbeitsbelastung, Stress und den fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten aus. So befindet sich gemäss Umfrage der Stress am Arbeitsplatz auf einem Allzeithoch. «Fast 45 Prozent aller Arbeitnehmenden fühlen sich durch ihre Arbeit häufig gestresst», wird Gabriel Fischer von Travail Suisse in der Mitteilung zitiert. «Die Gesundheitsrisiken sind immens und werden in der Arbeitswelt nicht ernst genommen.»

Zudem zeigen die Resultate wegen der Arbeitsbelastung Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und anderen Lebensbereichen wie Familie, Weiterbildung oder Privatleben: Ein Drittel aller Arbeitnehmenden sei nach der Arbeit oft zu erschöpft, um sich noch um private oder familiäre Angelegenheiten zu kümmern. Travail Suisse fordert daher Wirtschaft und Politik auf, aktiv zu werden.

Homeoffice besser regeln

Bezüglich Homeoffice schätzen viele die ruhigen Bedingungen am Heimarbeitsplatz und dass sie nicht pendeln müssen. Fehlende soziale Kontakte, mangelhafte Ergonomie und die Entgrenzung der Arbeitszeit werden als Nachteile gesehen. «Als Lehre aus der Pandemie ist für Travail Suisse wichtig, Homeoffice klar zu regeln», sagt Präsident Adrian Wüthrich. Homeoffice-Tage seien zu begrenzen, die «ausufernden Arbeitszeiten» einzuschränken. Zudem sei ein Recht auf Nicht-Erreichbarkeit entscheidend, damit sich Homeoffice nicht zum Nachteil der Arbeitnehmenden auswirke.

Das «Barometer Gute Arbeit» liefert seit 2015 repräsentative Ergebnisse zur Qualität der Arbeitsbedingungen in der Schweiz und ihren Veränderungen. Erhoben werden die Daten mittels einer repräsentativen Umfrage bei jeweils rund 1500 Schweizer Arbeitnehmenden.

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