Unwetter
Betroffene Kantone wappnen sich für weitere Niederschläge – am Bielersee wird die Arbeit der Einsatzkräfte sabotiert

Nach den schweren Unwettern in den letzten Tagen entschärft sich die Hochwassersituation. Die Pegel der Seen sind nicht mehr weiter gestiegen. Um für weitere Niederschläge gewappnet zu sein, wird nun der Abfluss der Aare aus dem Bielersee erhöht.

Reto Wattenhofer
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Die Feuerwehr ist pausenlos im Einsatz. Im Bild: Einsatzkräfte im Berner Quartier Altenberg.

Die Feuerwehr ist pausenlos im Einsatz. Im Bild: Einsatzkräfte im Berner Quartier Altenberg.

Keystone

Die Wasserstände des Thuner-, Bieler- und Vierwaldstättersees sind gemäss Messdaten seit dem späteren Freitagabend stabil. Die Pegel dieser Gewässer sind in der Nacht auf Samstag nicht mehr weiter angestiegen. Gemäss der Naturgefahrenkarte des Bundes gilt für alle drei Seen jedoch die höchste Gefahrenstufe für Hochwasser. Auch am Neuenburger- und Zürichsee wurde die zweithöchste Gefahrenstufe ausgerufen. Gleiches gilt für die Aare. Herabgestuft hat der Bund die Hochwassergefahr für den Rhein – und zwar auf Stufe 3 («erhebliche Gefahr»).

Aus diesem Grund ist es für eine Entwarnung noch zu früh. Laut dem Bundesamt für Umwelt dürften die Seepegel auch in den nächsten Tagen weiter sehr hoch bleiben und nur langsam sinken. Die Behörden rufen dazu auf, sich von Flüssen und Seen fernzuhalten.

Vandalenakte am Bielersee

Weil der Pegel des Vierwaldstättersees am Samstagmorgen leicht gesunken ist, geben die Luzerner Behörden Entwarnung. Vorerst gebannt sei die Gefahr, dass der Schwanenplatz überschwemmt werde, teilte die Stadt Luzern mit. Die Einsatzkräfte würden die Situation aber weiterhin überwachen.

Sabotiert wurde ihre Arbeit am Bielersee. Unbekannte entfernten Sandsäcke und Abschrankungen und verschoben Entwässerungsschläuche, wie das Regionale Führungsorgan Biel-Bienne Regio in einer Mitteilung «betrübt» feststellte. Die Polizei werde deshalb ihre Präsenz in den überschwemmten Gebieten verstärken.

Einen ungewöhnlichen Weg wählte die Stadt Thun. Um Strukturschäden an einer Sporthalle zu vermeiden, fluteten die Behörden das Gebäude. «Bei steigendem Grundwasserdruck ist das Fluten von Kellergeschossen oft eine sinnvolle Option», schreibt die Stadt Thun auf Twitter.

Abflussmenge aus Aare angehoben

Um für weiteren Regen gewappnet zu sein, haben der Bund und die Kantone Aargau, Bern, Freiburg, Neuenburg, Solothurn und Waadt gemeinsam beschlossen, den Abfluss der Aare aus dem Bielersee weiter zu erhöhen. Auf diese Weise sollen die Pegel von Bieler-, Neuenburger- und Murtensee sinken, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in einer Mitteilung schreibt.

Die verschiedenen Parteien einigten sich auf eine temporäre Erhöhung der maximalen Abflussmenge beim Wehr Post auf 750m3 pro Sekunde. Dadurch könne auch die Sicherheit der Anwohnerinnen und Anwohner erhöht wie auch Platz geschaffen werden für weitere Niederschläge, argumentiert das Bafu.

Die gute Nachricht: Vorerst sollte es trocken bleiben, wie ein Blick auf die Wetterradare von SRF Meteo und Meteo Schweiz verrät. Für heute Samstag sind tagsüber keine erheblichen Niederschläge zu erwarten. Am Abend könnte es in der Ostschweiz Regen geben, welche gegen Mitternacht auch die Region Luzern erreichen könnten.

Eine ruhige Nacht meldet Schutz und Rettung Bern. Der Pegel der Aare bleibe jedoch hoch.

Zuversichtlich zeigt sich auch der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause. Das Schlimmste scheine überstanden, schrieb er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter – vorausgesetzt heftige lokale Gewitter blieben aus.

Jede Hilfe zu spät kam für rund 17'000 Hühner in Trasadingen im Kanton Schaffhausen. Wegen der starken Regenfälle drang am Freitagnachmittag Wasser in den Hühnermastbetrieb ein, wie die Kantonspolizei am Samstag mitteilte. Die sofort ausgerückten Einsatzkräfte konnten nur noch feststellen, dass die Mehrzahl der Hühner bereits ertrunken war. 5500 Hühner mussten aufgrund ihres schlechten Zustands mittels Kohlendioxid von ihrem Leiden erlöst werden.

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