Tierschutz
Kongo, Pantanal-Voliere und Meeresküste auf dem Zürichberg: Der Zoo Zürich hat Grosses vor

Der Zoo Zürich will dem Masoala-Regenwald und der Lewa-Savanne weitere Lebensräume folgen lassen. Geplant sind etwa eine Pantanal-Voliere und ein «Kongo» für Menschenaffen. Und später soll ein Stück Meer auf den Zürichberg kommen.

Matthias Scharrer
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So visualisiert der Zoo Zürich seine Zukunftsprojekte: Kongo, Pantanal-Voliere, Meeresküste, Zooseilbahn und Sumatra-Regenwald.

Zoo Zürich, Region Five Media

«Ein Zoo wird alle 50 Jahre mal umgegraben», sagt Martin Naville, Verwaltungsratspräsident des Zoos Zürich. «Wenn man nicht alle paar Jahre etwas Grosses macht, gerät man ins Hintertreffen.» Der Blick schweift im Nieselregen über die Lewa-Savanne, eines der Grossprojekte, mit denen der Zoo unter Direktor Alex Rübel naturnäher wurde. Nun stellt Rübels Nachfolger Severin Dressen nach einem Jahr Amtszeit seine Pläne für die nächsten drei Jahrzehnte vor.

Auch er hat Grosses vor, wobei der Deutsche manche Projekte noch von Rübel übernommen hat, wie er an der Medienkonferenz vom Dienstag sagt. Künftig soll der Zoo nicht mehr flächenmässig, sondern in die Höhe und Tiefe wachsen. «Wir wollen die dritte Dimension nutzen», so Dressen. Die Besucherinnen und Besucher sollen Vögel und Affen in luftiger Höhe auf Augenhöhe beobachten und Wassertieren beim Tauchen zuschauen können – «über sich, unter sich und neben sich», wie der passionierte Taucher Dressen erklärt.

Grosses Kino für Naturschutz-Projekte

Doch der Reihe nach. In zwei Jahren, zum 20-jährigen Bestehen der Masoala-Regenwaldhalle, will Dressen ein Naturschutzzentrum eröffnen. Mit überdimensionalen Filmprojektionen werden darin Naturschutz-Projekte des Zoos in aller Welt präsentiert, von Kenia über Thailand und die Antarktis bis in die Schweiz. Das Naturschutzzentrum wird der Masoala-Halle angegliedert.

Das Projekt Kongo mit Gorillas und Okapis kann ab 2029 bestaunt werden. Es entsteht oberhalb der heutigen Lewa-Savanne auf bisher unbebauter Fläche.
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Der Sumatra Regenwald ist nach 2031 geplant. Bald können Besucherinnen und Besucher in luftiger Meter Höhe zu Orang-Utans in die Baumkronen aufsteigen und schwimmende Schabrakentapire beobachten.
Eine Forschungsstation Exotarium wird ab 2025 zwei der vier Schwerpunkte des Zoos bedienen: Bildung und Forschung. Damit macht der Zoo den Besucherinnen und Besuchern das Projekt zugänglich.
Pinguine und Seelöwen auf dem Zürichberg: Nach 2030 kommt auch die Meeresküste hinzu.
Die Meeresküste macht es möglich, hautnah mit der Welt der Pinguine zu verschmelzen.
Schon bald wird das Naturschutzzentrum seine Pforten öffnen. Hier können Besuchende bereits 2023 in die weltweiten Schutzprojekte eintauchen.
In der Pantanal Voliere fliegen ab 2025 Grosspapageien durch die Lüfte.
Alle Projekte bis 2030 des Zoo Zürich im Überblick in rot gekennzeichnet.
Ein weiteres Zukunftsprojekt ist die Zooseilbahn. Mit dieser werden sich Besucherinnen und Besucher voraussichtlich ab 2028 einen Überblick verschaffen und fortbewegen können.

Das Projekt Kongo mit Gorillas und Okapis kann ab 2029 bestaunt werden. Es entsteht oberhalb der heutigen Lewa-Savanne auf bisher unbebauter Fläche.

Zoo Zürich, Region Five Media

2025 soll dann ein nächstes Grossprojekt umgesetzt sein: die Pantanal-Voliere. Dazu wird die bereits bestehende Pantanal-Anlage mit einem grossen Netz überspannt, um grosse Vögel und bedrohte Papageiarten darin halten zu können. Zudem ist ein Aussichtsturm fürs Publikum mitten in der Voliere geplant. Und in Regenzeiten soll ein grosser Teil des Areals überflutet werden. Auf dem tiefsten Punkt der Anlage erhalten die Gäste durch grosse Scheiben Unterwassereinblicke auf tauchende Riesenotter und Tapire.

2029, zum hundertjährigen Bestehen des Zoos Zürich, ist die Eröffnung des nächsten nachgebauten Ökosystems vorgesehen. Es heisst Kongo und soll eine Regenwald-Lichtung darstellen. «Das Leben pulsiert auf dieser Lichtung», sagt Dressen. Neben Gorillas werden sich Okapis und Zwergflusspferde auf der Lichtung tummeln. Auch hier führt der Weg weit in die Höhe und Tiefe, sodass sowohl die Baumkronen- als auch die Unterwasserperspektive erlebbar wird. Die Anlage auf der zurzeit noch ungenutzten Fläche oberhalb der Lewa-Savanne umfasst 25'000 Quadratmeter, ein Fünftel davon überdacht in Form eines Tropenhauses.

Für den Zeitraum nach 2030 hat Dressen weitere Grossprojekte in seinem Masterplan 2050 vorgesehen: So ist ein Stück Sumatra-Regenwald geplant mit einer über 30 Meter hohen Hülle. Die Gäste können dort Orang-Utans und Kappengibbons von einem Baumwipfelpfad aus beim Klettern zuschauen, während weit unter ihnen Tapire im Wasser stehen.

Abschied von den Königspinguinen

Und schliesslich soll, ebenfalls nach 2030, ein Stück Meer auf den Zürichberg kommen, mit steiniger Küstenlandschaft, Stränden und einem Unterwassertunnel für die Gäste. Die über 100 Humbold-Pinguine und die Seelöwen des Zoos werden hier gemäss Dressen eine neue Heimat finden. Die Königspinguine hätten dann keinen Platz mehr im Zoo. Für ihre Haltung brauche es zu viel Kälte und damit Energie, was mit den Naturschutzzielen des Zoos schwer vereinbar sei.

Verwaltungsratspräsident Naville geht davon aus, dass der Zoo in den nächsten 20 Jahren 300 Millionen Franken in die neuen Projekte investiert ­­– gleich viel, wie er seit der Jahrtausendwende für Umgestaltungen ausgegeben hat.

Tote und lebendige Spender finanzieren einen Grossteil

Während der Zoo die Kosten für die bestehende Infrastruktur teils mit Subventionen bezahle, finanziere er Bauprojekte mit Spenden, Legaten und Sponsorengeldern. 15 Millionen Franken pro Jahr müsse der Zoo so einnehmen, erklärt Naville. Insbesondere Legate, also Geld, das Verstorbene dem Zoo vermachen, spielen dabei eine wichtige Rolle. Acht bis zehn Millionen Franken pro Jahr stammen aus solchen Quellen, wie Naville am Rande der Medienkonferenz sagt.

Das Geld komme grösstenteils vom Zürichberg und der Goldküste, den bevorzugten Wohnlagen reicher Zürcherinnen und Zürcher. Und der Zoo pflege diese Klientel ganz bewusst, etwa mit Privatführungen für die rund 300 sogenannten Zoo-Ambassadoren. Zum Vergleich: Die Subventionen für den Zoo von Stadt und Kanton Zürich beliefen sich im Jahr 2020 auf 19 Millionen, die Einnahmen aus Eintritten auf 17,5 Millionen Franken, wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist.

Trotz coronabedingter Schliessung während 94 Tagen konnte der Zoo die Eintrittseinnahmen im Jahr 2020 nahezu auf dem Niveau von 2019 halten. Viele nutzten ihn als Ferienalternative zu Auslandreisen. Wie sich die nun geltende Covid-Zertifikatspflicht bei den Eintritten auswirke, bleibe abzuwarten, hiess es auf Anfrage.

Verkehrsproblem

Seit Corona kommen die meisten Gäste mit dem Auto in den Zoo

Der Zoo Zürich hat schon lange ein Verkehrsproblem. Ein grosser Teil der jährlich über eine Million Besucherinnen und Besucher kommt mit dem Auto. Und findet dann oft keinen Parkplatz, besonders in den Spitzenzeiten am Wochenende. Seit Corona hat sich das Verkehrsproblem noch verschärft, wie Zoo-Verwaltungsratspräsident Martin Naville gestern vor den Medien sagte. Kamen vor der Pandemie immerhin die Hälfte der Gäste mit öffentlichen Verkehrsmitteln, so seien es jetzt nur noch 20 Prozent. 80 Prozent kämen mit dem Auto. Ein Lösung könnte das Seilbahnprojekt sein, das der Zoo bereits vor 17 Jahren lanciert hat. Es sieht vor, den Zoo vom Bahnhof Stettbach aus mit Gondeln für jeweils zehn Personen zu erschliessen. Die Kosten veranschlagt Naville auf 24 Millionen Franken. Doch das Projekt ist seit Jahren durch Einsprachen von Dübendorfer Anwohnern blockiert. Aktuell ist der Fall vor dem Zürcher Verwaltungsgericht hängig. Naville geht davon aus, dass die Seilbahngegner bis vor Bundesgericht weiterkämpfen würden. Rechtssicherheit für das Projekt gäbe es somit frühestens in zwei, drei Jahren. Die Zoo-Verantwortlichen hoffen nun, die geplante Seilbahn im Jahr 2028 eröffnen zu können. Ihre Förderleistung betrüge maximal 1800 Personen pro Stunde.

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