Schulskandal
Illegale nächtliche Champagner-Party in Tessiner Mittelschule

Protagonist eines illegalen Festes in Locarno war der umstrittene Mailänder Unternehmer und Influencer Davide Lacerenza. Ein Lehrer ist umgehend vom Dienst suspendiert worden, sieben Personen wurden verzeigt.

Gerhard Lob aus Locarno, Dario Pollice
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Nebst Champagner wurde an der illegalen Feier offenbar auch Drogen konsumiert. (Symbolbild)

Nebst Champagner wurde an der illegalen Feier offenbar auch Drogen konsumiert. (Symbolbild)

Keystone

Ein halbes Dutzend Erwachsene hat in der Nacht auf Freitag an einer Oberstufe in Locarno ein illegales Fest gefeiert. Bei der Party in der Scuola media 1 floss teurer Dom Perignon-Champagner in Strömen. Das zeigen Fotos und Videos, die hernach in den sozialen Medien publiziert wurden.

Das Erziehungsdepartement des Kantons Tessin zeigte sich in einer Medienmitteilung vom Freitag erschüttert über den nächtlichen Vorfall und sprach von nicht tolerierbaren «Vandalenakten»: Diese schädigten das Ansehen der Schule stark. Ein Lehrer, der auf einem der publizierten Gruppenfotos zu sehen ist und offenbar den «Gästen» Zugang zur Schule verschaffte, wurde von der Erziehungsdirektion umgehend vom Dienst suspendiert.

Unternehmer inszenierte sich als «Lehrer»

Protagonist des ausschweifenden Festes war allerdings nicht dieser Lehrer, sondern Davide Lacerenza. Das ist ein 55-jähriger neureicher Unternehmer und Influencer aus Mailand, der für seinen überbordenden und transgressiven Lebensstil bekannt ist. Er lässt daran seine 213'000 Follower auf Instagram teilhaben.

Lacerenza betreibt in Mailand ein Szenerestaurant (La Gintoneria), das im Moment geschlossen ist. In den Videos aus Locarno inszeniert er sich als Lehrer, der in diversen Klassenzimmern sein Unwesen treibt und unterrichtet. Auch das Klavier im Musikzimmern wird dabei benutzt.

Verstösse gegen Covid-Verordnung und Betäubungsmittelgesetz

Neben Champagner wurden offenbar auch harte Drogen konsumiert. Es versteht sich fast von selber, dass die ungebetenen Gäste keine Gesichtsmasken trugen und Abstände nicht einhielten.

Dass in einer öffentlichen Schule nachts diese illegale Party gefeiert wurde, kam erst durch die Publikationen in den Sozialen Medien ans Tageslicht. So waren Beamte der Kantons- und Gemeindepolizei laut dem Privatsender Ticinonews dann auch erst am Freitagmorgen vor Ort.

Im Verlauf des Abends teilte die Tessiner Kantonspolizei mit, dass sie sieben Personen zum Vorfall befragt und anschliessend verzeigt hat. Es handelt sich dabei um vier Schweizer, allesamt aus dem Tessin, und drei italienische Staatsbürger. Unter Letzteren befindet sich ein 55-jähriger Mann, den die Polizei allerdings nicht namentlich nennt. Alle kontrollierten Personen wurden laut Mitteilung wegen Verstosses gegen die Covid-19-Verordnung angezeigt.

Darüber hinaus müssen sich einige von ihnen wegen Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten. Beim 55-jährigen Italiener hat die Eidgenössische Zollverwaltung eine Reihe von Verstössen festgestellt und eine Geldstrafe verhängt. Weitere Informationen dazu hat die Kantonspolizei nicht veröffentlicht.