Schweizer Sprinter
Wirbel um Wilson: Rekordläufer trainierte in den USA mit einem gesperrten Trainer

Der von Alex Wilson erzielte Europarekord über 100 Meter hat allenthalben Zweifel hervorgerufen, auch beim Athleten selbst. Doch Wilson gerät nun selbst in den Fokus der Kritik: Offenbar war er zuvor von einem Trainer betreut worden, der lebenslang gesperrt ist.

Dan Urner
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Alex Wilson (l.) trainiert mit Raymond Stewart.

Alex Wilson (l.) trainiert mit Raymond Stewart.

Screenshot: Instagram/Tages-Anzeiger

Dass Alex Wilson bei einem Leichtathletik-Meeting in Atlanta für seine 100 Meter nur 9,84 Sekunden gebraucht haben soll, mag am Tag danach niemand so recht glauben. Zahlreiche Experten äusserten am Montag ihre Zweifel ob der Korrektheit der Messung des neuen Europarekords.

Pikantes Treffen

Eine pikante Information giesst nun erst recht Öl ins Feuer. Diese rückt der Sportler selbst in den Mittelpunkt. Wie der Tages-Anzeiger am Montag berichtet, hat der 30-Jährige vor dem betreffenden Meeting offenbar mit Raymond Stewart trainiert. Und das, obwohl der Jamaikaner eigentlich seit 2010 keinen Athleten mehr betreuen darf, weil er von der US-amerikanischen Dopenagentur lebenslang gesperrt wurde.

Der «Tagi» beruft sich auf ein Instagram-Video, «das dieser Redaktion zugespielt wurde», wie es heisst. Der Clip zeigt, wie Wilson gemeinsam mit Stewart in Las Vegas Trainingsübungen durchführt. Online auffindbar ist das Video aber nicht mehr.

Gegenüber der Zürcher Zeitung hat Alex Wilson das Treffen bereits bestätigt, wiegelt aber ab: Er habe Stewart nicht gekannt und von seiner Vergangenheit nichts gewusst. Ihm zufolge haben sich die beiden zufällig getroffen. Dass Wilson, gebürtiger Jamaikaner, seinen berühmten Landsmann zuvor nicht gekannt hat, scheint aber fraglich. Immerhin war Stewart der erste Jamaikaner, der eine Zeit unter zehn Sekunden erzielt hat.

Zweifel am Rekord, auch von Wilson selbst

Wilson hatte am Sonntag mit seiner Zeit von 9,84 Sekunden über 100 Meter an einem Meeting in Atlanta (USA) einen neuen Europarekord aufgestellt. Seither meldeten sich aber zahlreiche Experten zu Wort, die ernste Zweifel an der Rekordzeit äusserten.

Auch Wilson selbst war offenkundig überrascht. «Direkt nach dem Rennen dachte Alex, dass er vielleicht 10,10 Sekunden oder bestenfalls 10,00 gelaufen ist, aber niemals so schnell, wie es auf der Anzeigetafel im Stadion und in den Ranglisten zu lesen war», sagte sein Berater Andreas Hediger der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.