Premier League
«Vielleicht bin ich nicht so gut»: Conte stellt sich selbst zur Disposition

Vier der letzten fünf Ligaspiele hat Tottenham verloren. Trainer Antonio Conte reagiert mit eigentümlichen Aussagen.

Dan Urner
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Ist für Antonio Conte bald schon wieder Schluss als Tottenham-Trainer?

Ist für Antonio Conte bald schon wieder Schluss als Tottenham-Trainer?

Keystone

Dass eine sportliche Misere in einer Trainerentlassung gipfelt, ist im Profifussball eine tradierte Abfolge. Der Impuls geht zumeist von Vereinsverantwortlichen aus, die den Übungsleiter seines Amtes entheben, nachdem sie ihn allenfalls zuvor öffentlich angezählt haben. Die Situation bei Tottenham Hotspur gestaltet sich anders – und mutet denn auch höchst eigentümlich an.

Denn im Fall des Vereins aus dem Londoner Norden ist es der Coach selbst, der seine Person und Arbeit öffentlichkeitswirksam zur Disposition stellt. Nach der 0:1-Niederlage der «Spurs» beim abstiegsbedrohten FC Burnley, der insgesamt vierten Pleite in den letzten fünf Spielen, machte Antonio Conte mit für das Profigeschäft untypischen Aussagen auf sich aufmerksam. Er haderte nicht etwa mit seinen Spielern oder dem Schicksal – sondern vor allem mit sich selbst.

«Vielleicht bin ich nicht so gut», sagte der Italiener auf der dem Match anschliessenden Medienkonferenz. Der 52-Jährige war erst im November als Nachfolger des Portugiesen Nuno Espírito Santo verpflichtet worden. «Tottenham hat mich geholt, um die Dinge zu ändern - aber ich bin ehrlich: Wir tun alles, um die Situation zu ändern, doch es reicht nicht.» Dieses ganz und gar menschliche Eingeständnis kommt überraschend, zumal Conte als Trainer in der Vergangenheit bereits mit einigen Erfolgen aufgewartet hatte. So führte er Inter Mailand im vergangenen Jahr zum langersehnten italienischen Meistertitel, nachdem er schon mit Juventus Turin (2012, 2013 und 2014) sowie mit dem FC Chelsea (2017) Champion geworden war.

Gespräche angekündigt

So bemerkenswert dieser seltene Anflug von Bescheidenheit und Selbstreflexion auch erscheinen mag – seine Position an der Seitenlinie dürfte er eher nicht gestärkt haben, zumal sich in ihm womöglich auch der Affekt und die Enttäuschung über die unmittelbar zurückliegende Niederlage spiegelten. Conte selbst kündigte auf der Pressekonferenz eine zeitnahe Unterredung mit den Vereinsverantwortlichen an: «Ich bin zu ehrlich, um eine Situation dieser Art zu akzeptieren und wir werden das sicher mit dem Club bewerten.»