Champions League
Villarreal-Spieler schiesst scharf gegen Bayern-Coach Nagelsmann: «Wenn du in die Luft spuckst, kann es dir ins Gesicht fallen»

Sensations-Aus in der Champions League vom FC Bayern. Die Verantwortlichen versuchen dennoch cool zu bleiben. Underdog Villarreal schiesst Giftpfeile in Richtung von Julian Nagelsmann.

Gabriel Vilares
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Villarreal-Mittelfeld-Spieler Dani Parejo kann sich nach dem CL-Halbfinal-Coup einen Spruch in Richtung von Julian Nagelsmann nicht verkneifen.

Villarreal-Mittelfeld-Spieler Dani Parejo kann sich nach dem CL-Halbfinal-Coup einen Spruch in Richtung von Julian Nagelsmann nicht verkneifen.

Keystone

Ein Jahr nach dem Aus gegen Paris Saint-Germain scheitert der FC Bayern München erneut im Viertelfinal der Champions League. Diesmal gegen den Underdog aus der spanischen Kleinstadt Villarreal. Eine Ohrfeige für den deutschen Rekordmeister. Grenzenlose Ernüchterung bei den stolzen Bayern? Könnte man meinen. Zumindest die Verantwortlichen versuchen, den Ball flach zu halten.

«Deswegen werden wir aber nicht in Tränen ausbrechen. Wir haben nächstes Jahr wieder die Möglichkeit und werden wieder angreifen», so etwa Vorstandschef Oliver Kahn. Der ehemalige Keeper nahm die Spieler gegenüber «Amazon Prime Video» in Schutz. «Mehr Einsatz und Wille als die Mannschaft gezeigt hat, geht kaum. Man kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen.»

Auch Julian Nagelsmann wollte das Out erst mal sacken lassen. Mit den möglichen Konsequenzen wollte sich der 34-jährige Übungsleiter nicht befassen. «Ich weiss nicht, was da auf mich zurollt. Auf jeden Fall einmal Bielefeld in der Liga. Was soll ich machen? Angst habe ich nicht, es gibt Schlimmeres.» Dennoch räumte er ein, dass das Ausscheiden zu eines der bittersten Niederlagen seiner noch jungen Laufbahn gehören.

Müller rat- und beinahe sprachlos

Deutlich mehr Mühe bereitete das Schock-Out Thomas Müller. Der 32-jährige Offensivspieler wirkte etwas ratlos und rang nach Worten. «Die Niederlage zu akzeptieren, ja weiss ich auch nicht genau, was ich sagen soll.»

Auf der anderen Seite war der Enthusiasmus nach dem Coup gewaltig. Der Siebte der spanischen LaLiga war im Vorfeld als Glücklos bezeichnet worden. «Es hätte vom Namen her sicher härtere Lose geben können», sagte Nagelsmann nach der Auslosung. Dies liess Villarreals Mittelfeld-Spieler Dani Parejo nach Spielschluss nicht auf sich sitzen. Der 32-jährige Spanier schoss gegenüber «Movistar» mit Giftpfeilen.

«Als wir als Gegner feststanden, hat er gesagt, dass er das Duell im Hinspiel entscheiden will. Das war respektlos. Manchmal, wenn du in die Luft spuckst, fällt es dir zurück ins Gesicht.»

Presse feiert Unai Emery

Die internationale Presse fand vor allem für den Trainer des «gelben U-Boots» lobende Worte. «Unai Emery hat mit Villarreal eine weitere europäische Meisterleistung vollbracht und Bayern München auf dessen eigenem Feld überrascht», so die Boulevardzeitung «The Sun» aus England. Die französische Tageszeitung «Le Figaro» schlug in die gleiche Kerbe. «Emery, der Taktiker. Das Spiel der Gelben war sicherlich nicht rühmlich, aber am Ende zählt nur die Qualifikation, oder?» Für die Auflagestärkste Zeitung in Spanien, «El País», war «Villarreals Schloss stärker als der FC Bayern».

Der Europa-League-Sieger erreichte bereits 2004 das Halbfinal, scheiterte dort am FC Arsenal. In der diesjährigen Ausgabe wartet nun Benfica Lissabon oder der FC Liverpool. Wer im Achtelfinal den italienischen Rekordmeister (Juventus Turin) bezwingt, im Viertelfinal den deutschen Rekordmeister verzweifeln lässt, der darf auch vom ganz grossen Wurf träumen. Vom Titel: dem Henkelpott.

Die Münchner sind im DFB-Pokal nach der krachenden 0:5-Klatsche gegen Gladbach bereits ausgeschieden, müssen sich nun also mit der zehnten Meisterschaft in Serie trösten. Die Bundesliga führen sie überlegen mit neun Punkten Vorsprung auf Borussia Dortmund an. Dieser Titel scheint ihnen niemand mehr streitig machen zu können, denn der BVB entpuppt sich in der aktuellen Verfassung nicht als gelbes U-Boot.