Britische Studie
Wegen Demenzgefahr: Forscher fordert Kopfballverbot im Fussball

Kopfbälle erhöhen das Demenzrisiko beträchtlich, heisst es in einer Untersuchung der Universität Glasgow. Der Studienleiter plädiert für eine drastische Massnahme.

Dan Urner
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Luzerns Pascal Schürpf (links) geht beim Testspiel gegen Dynamo Kiew in ein Kopfballduell – und setzt sich damit offenbar einem erhöhten Risiko aus.

Luzerns Pascal Schürpf (links) geht beim Testspiel gegen Dynamo Kiew in ein Kopfballduell – und setzt sich damit offenbar einem erhöhten Risiko aus.

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17.6 Prozent aller Tore wurden in der vergangenen Saison der deutschen Fussball-Bundesliga mit dem Kopf erzielt. Geht es nach einem Forscherteam der Universität Glasgow (Schottland), würde dieser Anteil in Zukunft gegen Null tendieren. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen im Kopfball primär gesundheitliche Gefahren.

Die Studie, deren Ergebnisse am Montag publiziert wurden, evaluierte den Zusammenhang zwischen Kopfbällen und späteren gesundheitlichen Konsequenzen. 8000 ehemalige schottische Fussballspieler nahmen an der Untersuchung teil. Das Resultat: Vor allem Verteidiger weisen ein erhöhtes Demenzrisiko auf, die Gefahr ist gemäss der Studie fünfmal so hoch wie für den Durchschnitt der Bevölkerung. Für sonstige Feldspielern ist das Risiko viermal so hoch. Für Torhüter gilt dies hingegen nicht: Ihr Risiko ist demzufolge kaum erhöht.

Kopfball als Risikofaktor

Abwehrspieler sind erfahrungsgemäss besonders häufig in Kopfballduelle verwickelt. Dr. William Stewart, Neuropathologe und Leiter der Studie, konkludiert: «Das wiederholte Köpfen eines Fussballs könnte zu einem erhöhten Risiko einer Demenz führen.» Er plädiert daher dafür, beim Fussballspielen auf Kopfbälle zu verzichten. «Anders als sonst wissen wir in diesem Fall, was der Risikofaktor ist. Es ist komplett vermeidbar, wir könnten derartige Folgen verhindern.»

Im Jugendfussball wird vom Köpfen schon abgeraten. So hatte sich die Uefa im vergangenen Jahr in ihren Richtlinien etwa dafür ausgesprochen, die Zahl der Kopfballübungen im Training «so weit wie möglich» zu verringern.

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