Treibt Feinstaub die zweite Welle? Forscher vermuten Zusammenhang mit Wetterlage

Unten grau, oben blau: Diese herbstliche Wetterlage könnte die zweite Welle beschleunigt haben. Forscher von ETH und Uni Genf vermuten einen Zusammenhang mit der Feinstaubbelastung.

Merken
Drucken
Teilen
Risikofaktor Feinstaub: Forschende von ETH Zürich und Uni Genf sehen einen Zusammenhang mit schweren Krankheitsverläufen.

Risikofaktor Feinstaub: Forschende von ETH Zürich und Uni Genf sehen einen Zusammenhang mit schweren Krankheitsverläufen.

Keystone

(wap) Ein interdisziplinäres Forscherteam der Universität Genf und des ETH-Spin-Offs Meteodat hat untersucht, inwiefern die Feinstaubbelastung der Luft die Pandemie beeinflusst. Dabei habe sich gezeigt, dass die vorherrschende Wetterlage einen schweren Verlauf der Krankheit begünstigen könnte, schreibt die Universität Genf am Dienstag in einer Mitteilung. Kritisch sind demnach Hochnebellagen, bei denen die kalte Luft über längere Zeit unbewegt vor Ort bleibt und sich mit Feinstaub anreichert, sowie Wetterlagen, die Saharastaub nach Europa verfrachten.

Den Anlass zur Studie habe die Erkenntnis gegeben, dass das Coronavirus bereits Ende 2019 in Europa zirkuliert sei, es jedoch erst im Frühling 2020 zu einer erkennbaren Übersterblichkeit gekommen sei. Dies habe die Frage aufgeworfen, ob vom Verhalten der Menschen unabhängige Faktoren eine Rolle bei der Ausbreitung der Pandemie spielten, zitiert die Meldung der Uni Genf den Umweltwissenschafter Mario Rohrer.

Erst kam der Nebel, dann füllten sich die Intensivstationen

Im Tessin beobachteten die Forscher, dass die Hospitalisierungen im Frühling just nach einer Nebelphase in der Magadinoebene explodiert waren. Der vermutete Zusammenhang sei für die Schweiz von grosser Bedeutung, da das Mittelland oft von Wetterlagen mit Nebel in tiefen Lagen und Sonne in der Höhe betroffen sei, folgern die Forschenden. Bei diesen sogenannten Inversionslagen bleibe der grossräumige Luftaustausch limitiert und Feinstaub reichere sich in der Luft an. Auch gebe es in der Schweiz Wetterlagen, bei denen Feinstaub aus der Sahara eingeweht werde, der denselben Effekt habe.

Gemäss den Resultaten der Forscher fördern die hohen Feinstaubkonzentrationen im menschlichen Körper Entzündungen der Atemwege und der Kreislaufgefässe. Ausserdem verdickten sie das Blut. All diese Faktoren erhöhten das Risiko für einen schweren Verlauf der Krankheit. Im Falle der Grippe sei ausserdem bekannt, dass diese auch über Feinstaubpartikel in der Luft transportiert würden. Es sei möglich, dass dies auch für das Coronavirus zutreffe, so Rohrer in der Uni-Mitteilung.

Die Resultate der Studie könnten eine Grundlage dafür sein, die Grosswetterlage bei weiteren Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie mitzuberücksichtigen, so das Fazit der Studie.