Familienbericht 2021
Paare mit Kindern streiten mehr, sind aber glücklicher als Singles

Das erste Kind kriegen Schweizerinnen im Durchschnitt mit 31 Jahren. Der frisch veröffentlichte Familienbericht des Bundes bringt einen spannenden Einblick in das Innenleben der Schweizer Familien.

Michael Graber
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Immer noch oft Realität in Schweizer Familien: Mama sorgt sich um den Haushalt, Papa spielt derweil mit den Kindern. (Symbolbild)

Immer noch oft Realität in Schweizer Familien: Mama sorgt sich um den Haushalt, Papa spielt derweil mit den Kindern. (Symbolbild)

Keystone

Geht der Kinderwunsch in Erfüllung, krachen bald die Arbeitswunschträume auf den harten Boden der Realität. Während sich 46 Prozent aller befragten Personen ein Modell wünschen, in dem beide Elternteile in einem Teilzeitpensum arbeiten, ist dies nur in 10 Prozent aller Fälle auch Tatsache. Immer noch am weitesten verbreitet ist derweil die Variante «Vater arbeitet Vollzeit, die Mutter Teilzeit».

Dies geht aus dem statistischen Familienbericht 2021 des Bundesamtes für Statistik (BFS) vom Dienstag hervor. Knapp die Hälfte (49 Prozent) aller Schweizer Familien mit Kindern unter 25 haben die Haus-, Erziehungs- und Erwerbsarbeit demnach nach diesem Modell aufgeteilt.

Wie ein vertiefterer Blick in die Statistik zeigt, wird auch die Betreuungsarbeit in der Familie noch grösstenteils von Frauen erbracht. Sind die Kinder krank, bleiben in knapp 74 Prozent der Fälle die Frauen daheim. Hauptsächlich zuständig in diesem Fall ist der Vater nur in 5 Prozent aller Familien in der Schweiz.

Während auch beim Anziehen und den Hausaufgaben mehr die Mama helfen muss, holen die Papas dann beim «Spielen» und «ins Bett bringen» jedoch laut Familienbericht kräftig auf. Zwar ist auch dies nicht zur Hauptsache Männersache, aber wird doch immerhin mehrheitlich gleichberechtigt aufgeteilt.

Mit Kindern gibt es mehr zu Streiten

Wenig überraschend führen Ungleichheiten auch zu Streitigkeiten. So haben laut dem neuesten Familienbericht des BFS Paare mit Kindern häufiger Meinungsverschiedenheiten als kinderlose Paare. Dies «vor allem wenn es um die Hausarbeit (45 Prozent gegenüber 34 Prozent), die Freizeitgestaltung (36 Prozent gegenüber 27 Prozent), das Geld (32 Prozent gegenüber 21 Prozent) und die Beziehungen zu den Eltern/Schwiegereltern (30 Prozent gegenüber 18 Prozent)» geht, wie das Bundesamt für Statistik schreibt.

Ewiges Single-Sein schützt zwar langfristig vor Streitigkeiten mit dem Partner, schlägt laut Statistik dafür auch dauerhaft auf das Glück: «Personen in Einelternhaushalten und alleinlebende Personen bezeichnen ihren allgemeinen Gesundheitszustand seltener als gut oder sehr gut (75 Prozent bzw. 78 Prozent) als Personen in Paarhaushalten mit Kindern (83 Prozent) und Personen in Paarhaushalten ohne Kinder (81 Prozent)», schreibt das BFS. Auch seien alleinlebende Personen unter 65 Jahren mit ihrem Leben deutlich seltener «sehr zufrieden» als Personen in Paarhaushalten. Etwas Streit scheint der allgemeinen Stimmung also nicht abträglich zu sein.

Eher Spätzünder sind Schweizerinnen im europäischen Schnitt beim Alter der ersten Geburt. Liegt der Schnitt in der EU bei 29,2 Jahren, ist es in der Schweiz rund 600 Tage später – nämlich mit 31 Jahren. Männer seien «bei der Geburt des ersten Kindes generell etwas älter als Frauen», schreibt das BFS. Der Grossteil der Paare in der Schweiz hat übrigens einen sehr geringen Altersunterschied. Bei 28,5 Prozent aller Paare beträgt der Altersunterschied gerade mal maximal ein Jahr.

Paare, bei denen der Mann 10 oder mehr Jahre älter als die Partnerin ist, machen laut dem neuesten Familienbericht 8,6 Prozent aus. Umgekehrt – also mit deutlich älteren Frauen – gehen deutlich weniger Männer durchs Leben: nämlich lediglich 1,4 Prozent.

Grosseltern übernehmen viel Betreuung

Generell sind viele Paare in der Schweiz auf die ältere Generation angewiesen – aber hauptsächlich ausserhalb der Partnerschaft. 40 Prozent aller Kinder unter 3 Jahren werden «ausschliesslich durch Grosseltern, anderen Privatpersonen sowie unabhängige Tagesfamilien betreut oder nutzen diese Betreuungsform in Kombination mit einer formellen Betreuung».

Das spürten viele Familie denn auch vor allem während der ersten Coronawelle im vergangenen Frühling, als der Bund davon abriet, dass Grosseltern ihre Enkel betreuen sollen. Mittlerweile sind die grössten Sorgen wohl vielerorts weggeimpft und Grossmama und Grosspapa sorgen wieder dafür, dass beide Elternteile arbeiten können. Das ermöglicht vielleicht nicht die Arbeitswunschträume, aber zumindest die Arbeitsweltrealitäten.