Pharmazie
Entwickelt in der Schweiz: USA lassen Alzheimer-Medikament zu – Luterbacher Werk fährt Produktion hoch

Die US-Arzneimittelbehörde hat ein umstrittenes Medikament gegen Alzheimer zugelassen, das die Ursache der Krankheit bekämpfen könnte. Erforscht wurde der Wirkstoff in Zürich. Einen Teil der Produktion wird wohl das Biogen-Werk in Luterbach übernehmen.

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Die US-Arzneimittelbehörde hat ein Medikament gegen Alzheimer zugelassen. Dessen Wirkstoff wurde in Zürich erforscht. (Symbolbild)

Die US-Arzneimittelbehörde hat ein Medikament gegen Alzheimer zugelassen. Dessen Wirkstoff wurde in Zürich erforscht. (Symbolbild)

Keystone

Die US-Arzneimittelbehörde (FDA) hat am Montag ein neues Alzheimer-Medikament zugelassen, dessen Wirkstoff Aducanumab in Zürich erforscht wurde. Auf der Website der Biotechnologiefirma Neurimmune mit Sitz in Schlieren heisst es, man habe das Medikament zusammen mit Forschern der Uni Zürich erfunden. Gemäss der FDA handelt es sich bei dem Wirkstoff um die erste neuartige Behandlungsmethode gegen die neurodegenerative Erkrankung, die seit 2003 zugelassen wurde.

Das Zulassungsgesuch, das in einem beschleunigten Verfahren bearbeitet wurde, wurde von Biogen eingereicht, einem US-Biotechnologiekonzern, der in den USA die Lizenz für Aducanumab besitzt. Biogen hat seinen Sitz in Baar und betreibt eine Produktionsstätte in Luterbach. Das Medikament soll Patienten mit Alzheimer im Frühstadium als monatliche Infusion gegeben werden und den Abbau der Geisteskraft stoppen.

Wirksamkeit war lange unklar

Wie gut Aducanumab wirkt, ist allerdings umstritten: 2019 waren zwei klinische Studien zur Erprobung von Aducanumab, das unter dem Namen Aduhelm vermarktet wird, wegen fehlender Aussicht auf Erfolg abgebrochen worden. Ein internes Beratergremium der FDA hatte sich gegen die Zulassung ausgesprochen.

«Wir sind uns der Aufmerksamkeit rund um diese Zulassung sehr bewusst», heisst es am Montag von der FDA. Man sei zum Schluss gekommen, dass der Nutzen von Aducanumab grösser sei als die Risiken. Der Wirkstoff werde nun weiter genau beobachtet werden, zudem müsse der Hersteller weitere Studien vornehmen. «Wenn der Wirkstoff nicht so wirkt wie vorgesehen, können wir Schritte unternehmen, um ihn wieder vom Markt zu holen.»

62 Millionen US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner betroffen

Klar ist: In den USA könnte das Medikament auf eine grosse Nachfrage treffen. Laut der FDA sind 6,2 Millionen US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner von Alzheimer betroffen. Bisher erhältliche Medikamente könnten nur die Symptome, nicht aber die Ursache von Alzheimer bekämpfen.

Die FDA begründet das beschleunigte Zulassungsverfahren für den Wirkstoff mit der Überlegenheit des Medikaments gegenüber bisherigen therapeutischen Ansätzen, wie es in der Mitteilung weiter heisst.

Angesprochen auf dei grosse Nachfrage, meinte der Luterbacher Werksprecher von Biogen Tristan Schmitz am Dienstag: «Es ist künftig geplant, die Versorgung von Aducanumab gänzlich über die Anlage in Luterbach sicherzustellen.» Um Aducanumab produzieren zu dürfen, müsse ein Produktions-Zulassungsgesuchs bei jener Gesundheitsbehörde eingereicht werden, in dessen Land das Medikament am Ende distribuiert wird. «Dieses Gesuch werden wir im Laufe des Jahres bei der zuständigen Behörde einreichen», sagt Schmitz. (dpa/gb)