Musik
Neues Projekt von Baze nimmt uns mit auf eine Schifffahrt ins Bermudadreieck

Der Berner Rapper Baze und der St.Galler Musiker Fabian M. Müller veröffentlichen als Kraake ein Stück Musik, das einen ungeschönten Blick aufs Leben wirft.

Michael Graber
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Fabian M. Müller und Baze (rechts) sind zusammen Kraake.

Fabian M. Müller und Baze (rechts) sind zusammen Kraake.

Jonas Moser

Irgendwo zwischen Lebensturbulenzen, Gefühlsstürmen und Gewitterwolken am Himmel. Jazzmusiker Fabian M. Müller und Rapper Baze nehmen uns mit auf eine Schifffahrt ins gefühlsmässige Bermudadreieck. Kraake heisst die Band, die sie ins Leben gerufen haben, um in unsere Leben etwas Unruhe zu platzieren. Baze brummelt seine Texte, manchmal nuschelnd, manchmal entschlossen. Müller lässt sie klingen. An den Tasten und Effekten. Mal klingt es wie ein Gurgeln, mal wie ein nervöses Zucken.

«Julian» ist ein himmeltrauriges Stück Musik. Baze besingt die Lebensgeschichte eines Mannes, der den Kampf gegen die Drogen immer wieder verliert. Eine Berg-und-Tal-Fahrt, mit mehr Ab als Auf, das Zerschellen im Tal zeichnet sich ab. Julian verliert mehr und mehr Gewicht, die Löcher in den Kleidern werden grösser. «Oh, Julian, chumm la d Finger vo däm Gift, ou chumm widr zrügg zu üüs», fleht Baze die verlorene Seele an. «Füus widr uuf, dis Härz, mit au däm Schöne, wos git.» Die Melodie läuft langsam aus. Erlösung ist nicht in Sicht.

Da rascheln ein paar Glöckchen

Nicht alles ist deprimierend auf dieser Platte. Und manchmal hat es genau durch die Traurigkeit eine unfassbar tröstende Kraft. «Nume wüu für mi d Wäut hüt ungergeit, geit si no lang nid unger», singt Baze in «Guet Nacht». Es ist ein Schlaflied eines gebrochenen Menschen, der die eigenen Abgründe zumindest kurz überwindet, um nicht auch noch die Kinder mit nach unten zu ziehen. «O wes Nacht wird, wachi über di, luege dür Tüüre». Dazu lässt Müller die Töne lange schwingen und mischt noch ein paar Glöckchen unter.

Youtube

Der Krake schafft es zwar manchmal unser Schiff in bedrohliche Lagen zu bringen, ganz runterziehen kann er den Kahn dann aber doch nicht. Kurz vor Ende der Platte reisst der Himmel auf, die Sonne kommt, die Wellen ebben ab. «Wenn i ehrlech bi, isches viu schöner aus i mrs je vorgsteut ha», sagt Baze. Zu sich, zu uns. Es ist nicht nur schöner, es ist sogar «viu, viu, viu, viu» schöner.

Sanft instrumentiert mit Perkussion, schaffen Müller und Baze ein eindringliches Plädoyer für mehr Realität und weniger Erwartungen. Nicht alle Songs sind gleich intensiv. Allen aber wohnt Unruhe inne. Mal ist sie bedrohlich, mal zappelig. Kraake ist die dichte, ungeschönte Reise durchs Leben. Ohne Instagram-Filter, ohne Schminke. Vielleicht ist die Platte genau darum viel schöner als viele andere. Viu, viu, viu schöner.

Kraake: Kraake (Eret)

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