Qualprodukte
Foie gras: Nationalrat macht sich für Importverbot stark

Der Nationalrat möchte dem Import von Stopfleber einen Riegel schieben. Die tierquälerisch erzeugten Produkte sollen nicht mehr in die Schweiz eingeführt werden. Der Bundesrat möchte es dagegen bei einer Deklarationspflicht belassen.

Reto Wattenhofer
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Die Stopfleber sorgt seit Jahren in der Schweiz für Kontroversen. Im Bild: Eine Gänsefarm in Spanien.

Die Stopfleber sorgt seit Jahren in der Schweiz für Kontroversen. Im Bild: Eine Gänsefarm in Spanien.

Keystone

Es ist paradox: Stopfleber darf importiert und hierzulande gegessen werden, obwohl deren Herstellung nicht mit dem Schweizer Tierschutzrecht vereinbar ist. Das erachtet auch der Bundesrat als stossend. Er prüft derzeit eine Deklarationspflicht. Konsumenten sollen wissen, dass solche Produkte gegen das Gesetz verstossen.

Dem Nationalrat reicht das nicht. Zum Auftakt der Frühjahrssession hat er sich für ein Importverbot von Stopfleber ausgesprochen. Er hiess am Montag eine Motion von Martin Haab (SVP/ZH) mit 119 zu 61 Stimmen gut. Nun liegt der Ball beim Ständerat. Mit dem Vorstoss soll der Bundesrat veranlassen, dass tierquälerisch erzeugte Stopfleber nicht mehr eingeführt werden darf

Die Schweiz rühme sich ja bekanntlich, das «strengste Tierschutzgesetz» der Welt zu haben, erklärte Haab. Es sei daher verwerflich, wenn das Land «solche Qualprodukte» weiter importiere. Für die Produktion von Stopfleber würden Gänse und Enten mehrmals täglich mit Metallrohren und Futter gestopft, bis ihre Leber «krankhaft bis auf das zehnfache ihrer normalen Grösse» anschwelle. Laut Haab erfüllt das den «Tatbestand der Tierquälerei».

Bundesrat lehnt Ansinnen ab

Ein generelles Importverbot erachtet der Bundesrat indes als falschen Weg. Dabei führt er vor allem das internationale Handelsrecht ins Feld. Importverbote dürften «keine willkürliche und ungerechtfertigte Diskriminierung bewirken», argumentiert er. Statt eines Verbots möchte er Transparenz schaffen. Es sei sicherzustellen, damit Konsumentinnen und Konsumenten einen «informierten Kaufentscheid» fällen könnten.

Zudem klärt der Bund eine Umkehr der Beweislast ab. Wer in der Schweiz ausländische Produkte auf den Markt bringt, müsste dann nachweisen, dass diese zu Recht nicht deklariert wurden.