Pandemie
Von «nachvollziehbar» bis «Wortbruch»: Die Reaktionen auf die Strategie des Bundesrats

Die Landesregierung kündet nach der Sommerpause keine neuen Lockerungen an. Vor allem rechts der Mitte wird dem Bundesrat Hinhaltetaktik vorgeworfen.

Dario Pollice
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Gesundheitsminister Alain Berset legt vor den Medien die Corona-Strategie des Bundesrates dar.

Gesundheitsminister Alain Berset legt vor den Medien die Corona-Strategie des Bundesrates dar.

Keystone

Nach der Sommerpause ist vor der Sommerpause. Anders gesagt: Der Bundesrat ändert an seiner bisherigen Coronapolitik vorerst nichts. Am Mittwoch hat er weder weitere Lockerungen noch Verschärfungen beschlossen. Gleichzeitig leitet er eine «Normalisierungsphase» ein, in der er noch stärker auf die Eigenverantwortung setzen will. Der Fokus liege nun auf der Auslastung der Spitäler und nicht mehr auf dem Schutz der ungeimpften Bevölkerung. Zudem sollen Ungeimpfte künftig die Testkosten selber übernehmen.

Die Schweizerische Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) stützt in einer Stellungnahme vom Mittwoch den Kurs des Bundesrates. Aufgrund der Unsicherheiten bezüglich des Effekts der Ferienrückkehrern und der Auswirkungen der der Delta-Variante sei es «nachvollziehbar», dass die Landesregierung auf weitere Lockerungen verzichte.

Der Phasenübergang dürfe aber nicht zu einer falschen Sicherheit verleiten, warnt die GDK. «Die epidemiologische Lage präsentiert sich nach wie vor sehr volatil.» Darüber hinaus müssen sich aus der Sicht der GDK bis zum Ende der Kostenübernahme von Coronatests alle Personen vollständig impfen lassen können, die dies noch tun wollen. Eine mehrwöchige Übergangsfrist sei deshalb unerlässlich.

Unterstützung erhält die Landesregierung auch vom Arbeitnehmerverband Travail Suisse. Doch die vorgeschlagene Teststrategie beäugt der Verband «kritisch», wie er mitteilt. Die Tests würden helfen, das Infektionsgeschehen besser zu verstehen. Deshalb sollen die Kosten noch während weiterer Wochen übernommen werden, heisst es.

SVP will Ende des «Massnahmen-Regimes»

Die SVP kritisiert indes den Bundesrat und wirft ihm «Wortbruch» vor. «Der Bundesrat und allen voran Innenminister Alain Berset halten an ihrem diktatorischen Massnahmen-Regime fest», heisst es in einer Mitteilung. Die Partei fordert demnach die Aufhebung sämtlicher Covid-Massnahmen. Auch der Schweizerische Gewerbeverband sgv fordert eine «Rückkehr in die normale Lage ab 1. September».

Der Verband Gastrosuisse zeigt sich vergleichsweise zurückhaltend. Es sei «erfreulich», dass der Bundesrat künftig die Auslastung des Gesundheitswesens stärker gewichten möchte, heisst es in einer Mitteilung. Doch allzu lange dürfe die Landesregierung nicht mit Lockerungen abwarten. Die meisten Risikogruppen seien geimpft. Die Gefahr, dass das Gesundheitswesen überlastet werde, sei jetzt tiefer als im Frühjahr, so der Gastroverband.

Zürcher Clubkommission stellt Teststrategie infrage

Dass der Bund künftig nicht mehr für die Testkosten von Ungeimpften aufkommen will, sei «keine Überraschung», teilt die Bar- und Clubkommission Zürich mit: «Das Impfen ist der Weg aus der Pandemie raus und die Schweiz zieht damit mit anderen Ländern gleich.» Die Kommission fragt sich allerdings, ob es für den Staat tatsächlich günstiger ist, wenn er die Tests nicht mehr bezahlt und somit Unternehmen wieder durch den Staat unterstützt werden müssen.

Zudem sei dahingestellt, so die Zürcher Clubkommission, ob dies zu einer höheren Impfquote führe. Mit Blick auf die Impfungen solle «in ländlichen Regionen, die traditionellerweise nur über wenig Veranstaltungen verfügen, angesetzt werden».

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