Nuklearsicherheit
Fukushima in der Schweiz? Extreme Hochwasser könnten AKW fluten

Drei der Schweizer Atomkraftwerke liegen in unmittelbarer Nähe der Aare. Alle 100'000 Jahre wird diese zu einem riesigen Strom. Der Bund hat nun untersucht, was bei einem solchen Extremhochwasser droht.

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Bei einem Extremhochwasser läge das Gelände des AKW Gösgen rund einen Meter unter Wasser.

Bei einem Extremhochwasser läge das Gelände des AKW Gösgen rund einen Meter unter Wasser.

Keystone

(wap) Beznau, Gösgen und das vom Netz genommene Mühleberg: Gleich drei Schweizer Atommeiler stehen an der Aare, ebenso das Paul-Scherrer-Institut (PSI) mit dem Zwischenlager für radioaktive Abfälle. Im Nachgang des durch Hochwasser ausgelösten Reaktorunglücks in Fukushima hat der Bund nun untersucht, welche Auswirkungen ein extremes Aarehochwasser auf diese Anlagen haben könnte. Dabei zeigte sich, dass die Standorte Mühleberg, Gösgen und Beznau bei einem Extremereignis rund einen Meter unter Wasser geraten könnten. Dies teilte das Bundesamt für Umwelt (BAFU) am Montag mit. Für das PSI-Gelände wird die Überschwemmungstiefe mit lediglich 20-25 cm beziffert.

Zum Vergleich: Bei der Reaktorkatstrophe in Fukushima waren mehrere Reaktorblöcke bis zu 5 Meter hoch überschwemmt worden. Allerdings führte das Hochwasser dort auch bei zwei Reaktorblöcken, die nur rund einen Meter hoch überflutet wurden, zum Ausfall der Kühlsysteme. Die in der Studie ermittelten Extremwerte beziehen sich allerdings auf ein sehr unwahrscheinliches Szenario: Das berechnete Extremhochwasser dürfte im Schnitt nur alle 100'000 Jahre ein Mal auftreten. Dann könnte sich das Abflussvolumen der Aare um das Zwölffache auf 7000 Kubikmeter pro Sekunde erhöhen. Die Aare wäre dann plötzlich ein Strom von der Grössenordnung des Nigers oder der Wolga.

Bei der Studie seien auch weitere Komplikationen berücksichtigt worden, so das BAFU. Dazu gehören unter anderem Verstopfungen bei Brücken durch Schwemmholz, Rutschungen und Dammbrüche. Diese Schätzungen seien aber mit grossen Unsicherheiten behaftet, so die Mitteilung. Insgesamt bewegten sich die Erkenntnisse in Bezug auf die Kernanlagen im Rahmen der bisherigen Analyse. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) werde die AKW-Betreiber nun auffordern, ihre Sicherheitsanalysen auf Basis der neuen Studie zu überarbeiten.