Neue Daten
Über 150'000 Schweizer waren 2019 trotz Arbeit arm

Die Armut in der Schweiz hat 2019 weiter zugenommen, sie erreichte den höchsten Stand seit 2014. Die verfügbaren Einkommen in der tiefsten Einkommensgruppe gingen in dieser Zeit zurück.

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Die Armutsquote in der Schweiz steigt an. Menschen mit niedrigen Einkommen haben tendenziell weniger zur Verfügung. (Symbolbild)

Die Armutsquote in der Schweiz steigt an. Menschen mit niedrigen Einkommen haben tendenziell weniger zur Verfügung. (Symbolbild)

Keystone

(agl) 8,7 Prozent der Bevölkerung oder rund 735'000 Personen in der Schweiz waren 2019 von Einkommensarmut betroffen. Das zeigt eine neue Erhebung des Bundesamts für Statistik (BFS). Die 10 Prozent der Bevölkerung mit den niedrigsten Einkommen haben immer weniger finanzielle Mittel zur Verfügung. Laut BFS sank deren Äquivalenzeinkommen, das die Grösse und Zusammensetzung eines Haushalts berücksichtigt, auf 25'868 Franken, 2014 waren es noch über 27'000.

Die Armutsquote der erwerbstätigen Bevölkerung lag 2019 bei 4,2 Prozent, wie das BFS weiter schreibt. Das bedeutet, dass rund 155'000 Personen trotz Arbeit kein Einkommen erhalten, dass die Armutsgrenze übersteigt. Diese betrug durchschnittlich 2279 Franken im Monat für eine Einzelperson und 3976 Franken für zwei Erwachsene mit zwei Kindern.

Jeder Fünfte kann keine unvorhergesehene Ausgabe tätigen

12,2 Prozent der Bevölkerung hatten 2019 laut ihrer eigenen Einschätzung Schwierigkeiten, finanziell über die Runden zu kommen, wie die Erhebung weiter zeigt. 20,7 Prozent waren nicht in der Lage, innerhalb eines Monats eine unerwartete Ausgabe von 2500 Franken zu tätigen. Wie bereits in den Vorjahren seien ausländische Personen, Alleinerziehende sowie Personen ohne nachobligatorische Ausbildung besonders häufig von Armut und finanziellen Schwierigkeiten betroffen, so das BFS.

Bei korrigiertem Preisniveau waren die durchschnittlich verfügbaren Äquivalenzeinkommen in der Schweiz 2019 höher als in der Mehrheit der EU-Länder, wie das BFS schreibt. 2,8-mal so hoch wie in Griechenland, 1,6-mal so hoch wie in Italien, 1,3-mal so hoch wie in Frankreich und 1,2-mal so hoch wie in Deutschland und Österreich. Trotzdem liegt die Einkommensungleichheit in der Schweiz unter dem europäischen Durchschnitt.

So war das verfügbare Einkommen der einkommensstärksten 20 Prozent der Bevölkerung 4,8-mal so hoch wie jenes der 20 Prozent mit den tiefsten Einkommen. In Europa betrug der Indikator 2019 5,1. Laut BFS war das Verhältnis vor staatlichen Transfers via Steuern, Renten und Sozialleistungen rund zehn mal höher.