NATUR
Nach Nein zu Jagdgesetz: Nationalrat fordert Lockerung des Wolfsschutzes

Der Bund soll bei der Regulation von Wölfen seinen gesetzlichen Handlungsspielraum ausnutzen. Damit will der Nationalrat die Konflikte mit der Landwirtschaft entschärfen.

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Der Wolf ist in den letzten Jahren zum Politikum geworden. (Symbolbild)

Der Wolf ist in den letzten Jahren zum Politikum geworden. (Symbolbild)

Keystone

(rwa/agl) Das Verdikt fiel knapp aus. 52 Prozent des Stimmvolks lehnten im vergangenen September das neue Jagdgesetz ab. Damit sprach es sich auch dagegen aus, dass die Kantone vorbeugend Wölfe abschiessen können. Dabei zeigte sich ein klassischer Graben zwischen Land und Stadt. Dass das Thema politisch noch nicht gegessen ist, zeigte sich auch am Mittwoch im Nationalrat.

Die grosse Kammer hiess eine Motion ihrer Umweltkommission mit 136 zu 36 Stimmen bei 17 Enthaltungen gut. Kommissionssprecherin Christine Bulliard-Marbach (CVP/FR) betonte, es gelte den Volksentscheid zu respektieren. Doch es gebe Handlungsbedarf, denn die Wolfspopulation und damit auch die Risse von Nutztieren würden ansteigen. Die Kommission fordert deshalb, dass der Bundesrat seinen Handlungsspielraum innerhalb des geltenden Jagdgesetzes ausnutzt.

Schwellenwerte für die Regulierung sollen herabgesetzt werden

Konkret sieht die Motion vor, dass schadenstiftende oder verhaltensauffällige Wölfe rascher abgeschossen werden können. Zudem sollen die Schwellenwerte für die Regulierung von Wölfen herabgesetzt und neue Werte für Risse am Grossvieh festgelegt werden. Gegen das Ansinnen wehrte sich die Ratslinke.

Eine Mehrheit habe Nein gesagt zur vorausschauenden Regulierung sowie zu einer Delegation an die Kantone, sagte Umweltministerin Simonetta Sommaruga. Diesen Entscheid müsse man mit Respekt behandeln. Dennoch sei in der aktuellen Situation Nichtstun keine Option. «Wir müssen rasch handeln», so Sommaruga. Dass der Bundesrat seinen Spielraum innerhalb des bestehenden Gesetzes ausnutzt, findet sie sinnvoll. Viel sei jedoch nicht möglich, relativierte die Bundesrätin.

Nun muss der Ständerat entscheiden. Sagt auch er Ja, wird der Bundesrat beauftragt, den Handlungsspielraum innerhalb des geltenden Jagdgesetzes auszunutzen und die Voraussetzungen für eine geregelte Koexistenz zwischen Menschen, Grossraubtieren und Nutztieren zu schaffen.