Medieninhalte
Nationalrat will Jugendliche bei Filmen und Videospielen besser schützen

Einheitliche Alterskontrollen, Testkäufe und Schutz vor Cybersucht: Der Nationalrat sieht Handlungsbedarf und will Jugendliche besser vor ungeeigneten Medieninhalten schützen.

André Bissegger
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Der Nationalrat sieht im Jugendschutz in den Bereichen Film und Videospiele Handlungsbedarf.

Der Nationalrat sieht im Jugendschutz in den Bereichen Film und Videospiele Handlungsbedarf.

Keystone

Der Nationalrat befasste sich am Mittwoch mit einem neuen Gesetz zum Jugendschutz in den Bereichen Film und Videospiele. Dieses sieht viele Schutzmechanismen vor, um die Jugendlichen vor Inhalten zu schützen, die ihre Persönlichkeitsentwicklung negativ beeinflussen könnten. «Konkret geht es beim neuen Gesetz über den Jugendschutz in den Bereichen Film und Videospiele vor allem um Darstellungen von Gewalt, Sexualität und bedrohliche Szenen», sagte Kommissionssprecher Matthias Aebischer (SP/BE) anlässlich der Eintretensdebatte.

So sollen die Alterskennzeichnungen und -kontrollen schweizweit vereinheitlicht werden. Zudem sollen sich die Akteure im Film- und Videospielbereich zu Jugendschutzorganisationen zusammenschliessen, ihre Regeln selbst erarbeiten und diese dann dem Bundesrat vorlegen. Für die Kantone ist eine überwachende und berichtende Funktion vorgesehen: Sie kontrollieren, ob die Alterskennzeichnung eingehalten wird – beispielsweise mit Testkäufen.

Aber auch Plattformdienste wie YouTube stehen in der Pflicht: Sie sollen dazu verpflichtet werden, ein System zur Altersüberprüfung einzurichten. Videoportale sollen zudem die elterliche Kontrolle ermöglichen und ein System einführen, mit dem die Eltern ungeeignete Inhalte melden können. Laut den Befürwortern in der Eintretensdebatte ist das Gesetz ein erster nationaler Mindeststandard für den Jugendschutz bei Film und Videospielen. Zudem sei es eine Angleichung an die bestehenden EU-Richtlinien.

Nationalrat will Vorlage noch nachbessern

Der Nationalrat sieht also Handlungsbedarf beim Jugendschutz und ist mit 115 zu 69 Stimmen bei 2 Enthaltungen auf den Erlassentwurf eingetreten. Eine Mehrheit der Kommission will die Vorlage in der Detailberatung im Bereich Mikrotransaktionen und Prävention noch etwas nachbessern. Diese findet voraussichtlich in der Sommersession statt.

Ebenfalls muss sich der Nationalrat dann mit einem Kommissionspostulat zur Cybersucht befassen. Der Bundesrat soll im Rahmen der Nationalen Strategie Sucht mit der Erarbeitung eines Massnahmenpakets zur Bekämpfung der verschiedenen Formen von Cyberabhängigkeit beauftragt werden. Dieses soll die Bereiche Bildung, Prävention, Behandlung und Risikoverminderung abdecken. Dabei geht es unter anderem auch um Mikrotransaktionen in Videospielen. Diese so genannten In-App-Käufe fördern die Cybersucht.