Knappheit
Die Zeit der Butterberge ist vorbei: Bund genehmigt erneut Import von 2000 Tonnen Butter

Schweizer Butter bleibt eine Mangelware. Um die Nachfrage bis Ende Jahr zu decken, möchte der Bund weitere 2000 Tonnen Butter aus dem Ausland importieren. Grund für den Versorgungsengpass ist vor allem die geringe Wertschöpfung in der Butterproduktion.

Chiara Stäheli
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Butter ist in der Schweiz ein knappes Gut. Nun greift der Bund erneut ein.

Butter ist in der Schweiz ein knappes Gut. Nun greift der Bund erneut ein.

Bild: Keystone

Milchseen und Butterberge: Wer sich vor zwanzig Jahren mit der Schweizer Landwirtschaftspolitik beschäftigte, kam um diese beiden Begriffe nicht herum. Unterdessen sind sie weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Denn: Schweizer Butter ist seit einigen Jahren ein knappes Gut. Gemäss Hochrechnungen der Branchenorganisation Milch (BOM) reicht auch heuer die hierzulande produzierte Buttermenge nicht aus, um den inländischen Konsum zu decken.

Deshalb reagiert nun der Bund. Auf Antrag der Branchenorganisation hat er entschieden, das Zollkontingent um 2000 Tonnen Butter zu erhöhen. Das gab das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) am Montag bekannt. Bereits im Februar hat das BLW das Zollkontingent um 1000 Tonnen erhöht. Zwar dürfte die Butter erst im Herbst knapp werden. Doch mit der Importfreigabe per Anfang April könnten der Handel und die Verarbeitungsbetriebe die Importbutter laufend absetzen, heisst es in der Mitteilung.

Höhere Rentabilität bei der Käseproduktion

Dass die heimische Butter nicht ausreicht, liegt nicht nur am gestiegenen Konsum. Viel eher sieht BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler die Gründe andernorts: «Die Milchproduktion in der Schweiz nimmt weniger stark zu als die Käseproduktion. Zudem ist die Wertschöpfung bei der Butterproduktion deutlich geringer als bei anderen Milchprodukten.» Heisst: Wer Geld verdienen will, produziert Käse oder Joghurt, nicht Butter. Oder wie es Stefan Kohler sagt: «Wir produzieren in der Schweiz nicht genügend Milch, um auch ausreichend Butter herstellen zu können.»

Auch das BLW erklärt die erwartete Butterknappheit mit dem Anstieg der Käseproduktion. Hinzu komme die leicht rückläufige Milchproduktion. Für den Zeitraum Januar bis April 2022 rechnet die Branche denn auch mit einem Rückgang der Milchproduktion um 1,5 Prozent. Die Kombination dieser beiden Faktoren führe dazu, dass «aktuell weniger Milch in die Butterherstellung» fliesse als in Vorjahren, so das BLW.

Vom Butterberg zum Buttermangel

Die Milch wird hierzulande in erster Linie für die Produktion von Trinkmilch, Joghurt, Rahm und Käse verwendet. Nur die überschüssige Milch wird - quasi als Nebenprodukt - zu Butter und Magermilchpulver verarbeitet. Das führte in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zu Butterbergen. Die Bauern produzierten beispielsweise in den 90er-Jahren aufgrund des garantierten Milchpreises und bis 2008 wegen der Kontingente mehr Milch, als konsumiert wurde.

Diese überschüssige Milch wurde dann zu Butter verarbeitet und eingelagert. Weil das Angebot die inländische Nachfrage deutlich überstieg, exportierte die Schweiz ihre Butter auch ins Ausland. So verkauften die Schweizer Produzenten 2012 über 10000 Tonnen Butter in andere Länder - unterstützt durch Subventionen vom Bund, weil die Schweizer Butter preislich nicht konkurrenzfähig war.

Schweiz verbraucht jährlich 40'000 Tonnen Butter

Nach der Abschaffung der staatlichen Eingriffe kehrte sich die Lage um: Der Milchpreis sank deutlich, und in den letzten Jahren kam es immer wieder zu Versorgungsengpässen mit einheimischer Butter. Die Butterberge sind Geschichte. Dazu beigetragen hat auch die durch die Pandemie deutlich gestiegene Nachfrage.

2000 Tonnen Butter hören sich nach viel an, entsprechen aber lediglich dem Bedarf von einem halben Monat. In der Schweiz werden im Schnitt jährlich über 40'000 Tonnen Butter verbraucht. Die Importbutter bezieht die Schweiz laut BLW hauptsächlich aus den Niederlanden, Deutschland, Belgien, Irland und Frankreich.