Gewerkschaftskongress
«Historischer Wandel»: Frauenmehrheit gibt bei Unia-Spitze die Marschrichtung vor

Erstmals ist die Geschäftsleitung der grössten Schweizer Gewerkschaft in den Händen einer Frauenmehrheit. Vania Alleva wurde am Kongress dabei als Präsidentin der Unia bestätigt.

Dario Pollice
Drucken
Teilen
Vier von sieben Geschäftsleitungsmitglieder der Unia sind Frauen.

Vier von sieben Geschäftsleitungsmitglieder der Unia sind Frauen.

HO/Unia

Diese Wahl sei ein «historisches Ereignis», sagte Ursula Mattmann-Alberto der IG Frauen bei Unia am Samstag. Was sie damit meint: Die Delegierten der grössten Schweizer Einzelgewerkschaft haben am zweiten ordentlichen Kongresstag ihre Spitze erneuert. Die Frauen stellen dabei erstmals die Mehrheit in der siebenköpfigen Geschäftsleitung der Unia.

Zum einen haben die Delegierten am Samstag die bisherige Präsidentin Vania Alleva für die kommenden vier Jahre bestätigt.

«Die heutige Wahl ist das Zeichen eines historischen Wandels»,

sagte Alleva vor den Delegierten.

Als Alleva 1997 bei der Gewerkschaft Bau und Industrie begann zu arbeiten, hätten in den Versammlungen damals praktisch nur Männern gesessen. Mit dieser Wahl widerspiegeln die Gewerkschaften nun ebenfalls die Feminisierung der Arbeitswelt, so Alleva weiter.

Zum anderen wird Véronique Polito neu das Amt der Vizepräsidentin übernehmen. Die Freiburgerin war bereits als Leiterin des Sektors Tertiär Mitglied der Geschäftsleitung.

Neu zieht zudem Bruna Campanello in die Gewerkschaftsspitze ein. Die 45-jährige Zürcherin ist seit vielen Jahren für den Sektor Gewerbe tätig und tritt die Nachfolge von Aldo Ferrari an. Dieser hatte im Februar seinen Rücktritt von der Geschäftsleitung angekündigt. Die Delegierten bestätigten darüber hinaus Renate Schoch, Leiterin des Bereichs Marketing und Rechtsdienst, als Geschäftsleitungsmitglied.

Nebst den vier Frauen haben die Delegierten der Unia auch Martin Tanner, Nico Lutz und Yves Defferrard in die Geschäftsleitung gewählt.

Einladung von Guy Parmelin sorgt für Diskussionen

Als Gastredner am ordentlichen Gewerkschaftskongress eingeladen war Bundespräsident Guy Parmelin. Seine Präsenz hatte tags zuvor am Freitag zu «intensiven Debatten» geführt, wie Ursula Mattmann-Alberto sagte. So hatte die IG Jugend der Unia die Ausladung von Parmelin vom Kongress beantragt. Die Mehrheit der Delegierten stimmte jedoch gegen den Antrag.

Der Bundespräsident blickte in seiner Rede auf das Pandemiejahr zurück und zog Bilanz über die wirtschaftlichen Folgen von Corona. «Wir haben schwierige Zeiten hinter uns, aber ein Ende ist in Sicht», so der SVP-Bundesrat. Gleichzeitig sei er sich auch bewusst, dass grosse Herausforderungen weiter bevorstehen. «Wir werden uns weiterhin auf eine starke Zusammenarbeite mit den Sozialpartnern abstützen, auch mit der Unia»,sagte Parmelin.

Aktuelle Nachrichten