Frauenrenten
«Hände weg von unseren Renten» – Gewerkschaften, Frauenstreik und Klimabewegung gehen gegen die AHV-Reform auf die Strasse

In Bern findet am Samstag eine nationale Kundgebung gegen die Reform der Altersvorsorge statt. Unter dem Motto «Hände weg von unseren Renten» zogen die Demonstrierenden zum Bundeshaus.

Alice Guldimann
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Die Politik ignoriere bei der Reform der AHV die reale Rentensituation einer Mehrheit der Bevölkerung – insbesondere der Frauen. Das schreibt der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) in einer Mitteilung. Obschon sie mindestens einen Drittel weniger Rente erhielten, habe das Parlament eine AHV-Reform auf Kosten der Frauen beinahe abgeschlossen. Dagegen wollen sich nicht nur die Gewerkschaften wehren:

Der Demonstrationszug zog von der Schützenmatte und endete vor dem Bundeshaus, wo anschliessend eine Kundgebung stattfand.

Der Demonstrationszug zog von der Schützenmatte und endete vor dem Bundeshaus, wo anschliessend eine Kundgebung stattfand.

Keystone

Dem Demonstrationsaufruf sind am Samstagnachmittag zahlreiche Menschen und Organisationen gefolgt. Die Organisatoren schreiben von rund 15'000 Personen. Sie zogen von der Berner Schützenmatte zum Bundeshaus, wo im Anschluss an den Umzug eine Kundgebung mit Reden und einem Konzert stattfand. Wer in der Bundesstadt unterwegs war, musste Geduld aufbringen, es kam zu verschiedenen Verkehrsunterbrüchen.

Der Gewerkschaftsbund und Travail Suisse deuten den grossen Aufmarsch in Bern als deutliches Signal an das Parlament. Eine AHV-Vorlage auf Kosten der Frauen werde auf entschiedenen Widerstand stossen, schreiben sie in einer Mitteilung. Im Gegenteil sei es zwingend notwendig, das Rentenniveau anzuheben, damit jede und jeder von einer guten Rente profitieren könne.

Unterstützt wurden die Gewerkschaften unter anderem vom Frauenstreik Schweiz. «65 Jahre noch immer nein», heisst es in einer Mitteilung der feministischen Streikkollektive. Die AHV-Reform sei eine Farce: «Unter dem Vorwand der Gleichberechtigung will man auf unserem Rücken weitere 10 Milliarden Franken einsparen, indem man uns ein Jahr länger arbeiten lässt?»

Löhne verbessern, statt Renten erhöhen

Die bezahlte Arbeitszeit der Frauen sei reduziert, weil sie den Grossteil der Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeit übernehmen. Diese ende nicht mit dem Ruhestand, so betreuten Schweizer Grossmütter ihre Enkelkinder für 113 Millionen Stunden pro Jahr. Weil ein Drittel der pensionierten Frauen jedoch nicht über eine zweite Säule verfüge, hätten viele von ihnen Mühe, über die Runden zu kommen. «Es ist nicht an uns zu bezahlen!», so die Streikkollektive. Es würde ausreichen, die Löhne der Frauen zu verbessern, um die AHV-Beiträge zu erhöhen. Auch die Nationalbank könne die AHV stärker finanzieren.

Referendum gegen Parlamentsvorlage so gut wie sicher

Auch ein Teil der Klimastreikbewegung kündigte im Vorfeld an, die Demonstration gegen die AHV-Reform zu unterstützen. Die Anhebung des Rentenalters entspreche einer Verlängerung der Arbeitszeit im Allgemeinen. «Mehr zu arbeiten und damit noch mehr zu produzieren, erscheint paradox in einer Gesellschaft, die bereits weit über die Grenzen der Nachhaltigkeit hinausgeht», heisst es in einer Mitteilung. Eine Integration der zweiten Säule in die erste im Rahmen einer gestärkten AHV scheint dem Klimastreik eher geeignet, «um die künftigen ökologischen Herausforderungen zu bewältigen und gleichzeitig eine bessere Verteilung der Renten zu gewährleisten».

Das Parlament berät derzeit die Reform der AHV. National- und Ständerat haben bereits zugestimmt, dass das Rentenalter für Frauen schrittweise um ein Jahr auf 65 Jahre erhöht werden soll. Knackpunkt ist im Moment noch die Frage, wie die Renten der Frauen kompensiert werden sollen, die kurz vor der Pensionierung stehen. Doch ganz gleich, wie die Verhandlungen ausgehen, ein Referendum gegen die Vorlage ist so gut wie sicher.

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