Coronapandemie
Fünf Selbsttests pro Monat: Bundesrat bläst zur Testoffensive

Der Bundesrat will ab dem 15. März die Kosten sämtlicher Coronatests übernehmen. Damit soll der Ausstieg aus dem Lockdown unterstützt werden. Dafür greift die Regierung tief in die Tasche.

Reto Wattenhofer
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Gesundheitsminister Alain Berset gab am Freitag den Startschuss zur Testoffensive.

Gesundheitsminister Alain Berset gab am Freitag den Startschuss zur Testoffensive.

Keystone

Es ist bekannt: Viele Ansteckungen finden durch Personen ohne Symptome statt, die gar nicht merken, dass sie mit dem Coronavirus infiziert sind. Nach Angaben des Bundes dürfte das bei mehr als der Hälfte der Fälle zutreffen. Trotzdem hat der Bundesrat lange gezögert, die Kosten für sämtliche Tests zu übernehmen – wohl auch wegen der hohen Kosten.

Am Freitag nun hat der Bundesrat seine Haltung geändert. Er schlägt vor, dass der Bund ab dem 15. März die Kosten für sämtliche Tests in der Schweiz übernimmt. «Es ist ein sehr wichtiger Schritt zurück zu einem normalen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben», erklärte Gesundheitsminister Alain Berset vor den Medien. Neben der Impfung soll die erweiterte Teststrategie der zweite Pfeiler sein für die kommenden Öffnungsschritte.

Mehrkosten von einer Milliarde Franken

Allerdings warnte Berset davor, sich deswegen in falscher Sicherheit zu wiegen. «Es ist kein Freipass für Leichtsinn.» Die Bevölkerung müsse weiterhin vorsichtig bleiben. Die Lockerungsschritte würden ein Risiko bergen. Laut Berset gilt es unbedingt zu verhindern, dass die Situation ausser Kontrolle gerät und Bereiche wieder geschlossen werden müssen. Noch offen ist, ob ein negatives Testresultat Voraussetzung für die Teilnahme an gewissen Veranstaltungen sein darf. Solch sensible Fragen müssten eingehend geprüft werden, so Berset weiter.

Den definitiven Entscheid über die neue Teststrategie wird der Bundesrat allerdings erst nächsten Freitag fällen. Zuerst hört er dazu nun die Kantone und die parlamentarischen Kommissionen an. Das dürfte Formsache sein. Zuletzt hatten die Kantone den Bund wiederholt aufgefordert, seine Strategie zu überdenken. Zudem verursacht der Schritt ihnen keine Mehrkosten. Diese sind nämlich gewaltig – nach ersten Schätzungen betragen sie eine Milliarde Franken. Im Vergleich zu den Kosten für die Gesellschaft und Wirtschaft sei das wenig und verkraftbar, betonte Berset.

Befreiung von Quarantänepflicht

Erleichtern will der Bundesrat zudem den Zugang zu Selbsttests. Jede Person soll hierzulande monatlich fünf Tests beziehen können. Dadurch sollen sich alle Personen regelmässig testen können, auch wenn sie keine Symptome haben. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat jedoch noch keinen Selbsttest für Personen ohne Symptome genehmigt. Sobald verlässliche Tests zur Verfügung stehen, werden die Tests gratis abgegeben. Wann das sein wird, konnte Berset nicht sagen.

Um Ausbrüche des Coronavirus früher zu erkennen, sollen Unternehmen und Schulen zudem wiederholt testen. Wenn sich in einem Betrieb 80 Prozent der Angestellten regelmässig testen lassen, soll der zuständige Kanton ihn auch von der Quarantänepflicht für Kontaktpersonen befreien können. Die wiederholte Testung sei jedoch kein Ersatz für Schutzkonzepte, stellt die Landesregierung klar. Die Teilnahme am Testen ist freiwillig.