Coronavirus
BAG ist verhalten optimistisch, die Lage bleibt aber «fragil»

Während der Druck auf den Bundesrat bezüglich Lockerungen zunimmt, mahnt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) trotz Optimismus zur Vorsicht: Eine Trendumkehr sei noch immer möglich.

André Bissegger
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Das BAG informierte am Dienstag über die aktuelle Corona-Situation in der Schweiz.

Das BAG informierte am Dienstag über die aktuelle Corona-Situation in der Schweiz.

Keystone

«Die Schweiz macht es eigentlich gar nicht so schlecht.» Mit diesen Worten eröffnete Patrick Mathys vom BAG am Dienstag die Medienkonferenz zur aktuellen Coronasituation. Sowohl Fallzahlen, Hospitalisierungen und Todesfälle seien rückläufig. Die Inzidenz liege inzwischen bei 205 Fällen pro 100'000 Einwohnern. «Die Abnahme ist nicht deutlich, aber anhaltend», sagte Mathys. Zudem liege die Positivitätsrate inzwischen in einem gewünschten Bereich.

Allerdings ist laut Mathys die Reproduktionszahl (R-Wert) noch immer zu hoch, die Abnahme der Fallzahlen geht dem BAG zu langsam. «Wir wollen eine deutliche Abnahme und eine kleinere Inzidenz», betonte der Chef der Sektion Krisenbewältigung. Zudem seien die Mutationen weiter deutlich auf dem Vormarsch. Ob sich ihre Zahlen noch immer alle 7 bis 10 Tage verdoppeln, sei wegen aktuell noch fehlenden Daten momentan unklar.

Keine Spekulationen über Lockerungen

«Wir dürfen optimistisch sein. Der Trend könnte sich fortsetzen», zog Mathys ein Fazit. Das Risiko einer Trendumkehr bestehe aufgrund der besserer Übertragbarkeit der Mutationen jedoch nach wie vor.

Bezüglich möglicher Öffnungsschritten, die der Bundesrat am Mittwoch beschliessen könnte, wollte Mathys nicht spekulieren. «Wir haben beim Bundesrat verschiedene Varianten und Szenarien eingebracht. Es geht jedoch nicht nur um epidemiologische oder gesundheitliche Fragen.» Weiter betonte er, dass die Lage äusserst fragil sei. Es stelle sich die Frage, ob mit den aktuellen Massnahmen das Niveau gehalten und gesenkt werden könne oder nicht. «Wenn nicht, dann bringt jede Lockerung weitere Risiken.»

Linda Nartey, Vizepräsidentin der Kantonsärztinnen und -ärzte, sprach unter anderem über das Contact Tracing und die Schutzkonzepte. Während die britische Mutation inzwischen praktisch zum Alltag gehöre, bereiten ihr die südafrikanische und brasilianische Variante Sorgen. Diese bräuchten wieder ein intensiveres Contact Tracing. Dabei sei oft unklar, wo sich die Leute angesteckt hätten.

«Auch die Schutzkonzepte stellen uns vor viele Fragen», sagte Nartey. Grundsätzlich gehen die Kantonsärzte davon aus, dass sie gut umgesetzt werden. Trotzdem gibt es immer wieder Ausbrüche. «Die Konzepte werden also doch nicht so gut umgesetzt, wie gedacht, oder die Varianten finden einfacher Lücken, um sie zu umgehen.»

6,3 Dosen pro 100 Einwohner verimpft

Bezüglich Impfaktion betonte sie, dass am Ziel festgehalten werden. Bis im Sommer sollen sich alle impfen lassen können, die das wollen. Allerdings hänge viel von der Verfügbarkeit der Impfstoffe ab. Es sei beispielsweise auch möglich, dass bis im Sommer nicht alle Personen zweimal geimpft worden sind.

Virginie Masserey vom BAG informierte über den aktuellen Stand bei den Impfungen. Aktuell hat das BAG 806'000 Impfdosen erhalten, rund 541'000 wurden bereits verimpft. Das sind 6,3 Dosen pro 100 Einwohner. «Die Schweiz steht im europäischen Vergleich gut da», sagte sie. Masserey geht davon aus, dass ab Mai auch Menschen geimpft werden können, die nicht zu Risikogruppen gehören. Mehr Details zu den Impfungen stellte sie für die kommende Woche in Aussicht.