Booster-Impfung verschlampt?
Nun wehrt sich der Direktor Raimund Bruhin: «Swissmedic ist alles andere als langsam»

Anders als in Nachbarländern wartet die Schweizer noch auf die Booster-Impfung. Nun äussert sich der Direktor der Zulassungsbehörde Swissmedic – und nimmt auch die Pharmafirmen in die Pflicht.

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Mit der Booster-Impfung soll der Impfschutz gegen Corona wieder aufgefrischt werden. (Symbolbild)

Mit der Booster-Impfung soll der Impfschutz gegen Corona wieder aufgefrischt werden. (Symbolbild)

Keystone

Wann hat das Warten ein Ende? Das fragen sich viele, wenn es um die Auffrischimpfung gegen das Coronavirus geht. Während in Nachbarländern bereits ein Booster verfügbar ist, wartet die Schweiz weiter auf die Zulassung. Seit Anfang September liegen die Anträge von Moderna und Pfizer bei der Zulassungsbehörde Swissmedic.

Swissmedic-Direktor Raimund Bruhin verwehrt sich gegen den Eindruck, bei der Zulassungsbehörde herrsche ein Schlendrian. «Wir liegen im Zeitplan», stellte er im Interview mit der «NZZ am Sonntag» klar. Die Begutachtung sei weit fortgeschritten. «Swissmedic ist alles andere als langsam.» Bruhin weist darauf hin, dass seine Behörde die Zulassung für die Erstimpfung letzten Dezember als erstes Land in Westeuropa erteilt habe.

Raimund Bruhin, Direktor von Swissmedic, porträtiert am 17. März 2021 am Hauptsitz von Swissmedic in Bern. Swissmedic ist die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Raimund Bruhin, Direktor von Swissmedic, porträtiert am 17. März 2021 am Hauptsitz von Swissmedic in Bern. Swissmedic ist die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Severin Bigler / ©

In die Pflicht nimmt Bruhin auch die Pharmakonzerne Moderna und Pfizer. Sie würden entscheiden, wo und wann sie eine Zulassung einreichen. «Wir haben hier keinen Einfluss.» Der Direktor von Swissmedic betonte, dass die USA und die EU die Anträge zur Zulassung früher erhielten als seine Behörde.

Nach Bruhins Ansicht hinkt auch der Vergleich mit Israel. Dort habe nicht die Heilmittelbehörde, sondern die Gesundheitsbehörde entschieden. «Das ist, als ob bei uns das Bundesamt für Gesundheit in den Prozess eingegriffen hätte.» Da stecke viel Politik mit drin. Bruhin warnte davor, die festgelegten Prozesse zu umgehen. Dadurch könne rasch viel Vertrauen verspielt werden. (rwa)

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