Betreibungs- und Konkursstatistik
Trotz Corona: Weniger Pleiten und Betreibungen in der Schweiz

Die Zahl der Betreibungen und Konkurse hat im vergangenen Jahr trotz Coronapandemie abgenommen. Die Coronamassnahmen des Bundes zeigen damit Wirkung – zumindest vorerst.

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Die Betreibungen und Konkurse gingen 2020 in der Schweiz zurück. Allerdings lassen sich die Zahlen nur mit Vorsicht interpretieren.

Die Betreibungen und Konkurse gingen 2020 in der Schweiz zurück. Allerdings lassen sich die Zahlen nur mit Vorsicht interpretieren.

Keystone

(abi) Die Gesamtzahl der eröffneten Firmen- und Privatkonkursverfahren ist im letzten Jahr gegenüber dem Vorjahr um 6,6 Prozent zurückgegangen. 2020 wurden insgesamt 12'912 Eröffnungen verzeichnet, im Jahr 2019 waren es noch 13'840. Das zeigt die Betreibungs- und Konkursstatistik, die das Bundesamt für Statistik (BFS) am Mittwoch veröffentlichte. Darin nicht enthalten sind allerdings Konkursverfahren in Fällen von Gesellschaftsauflösungen aufgrund von Mängeln in der Organisation. Aber auch deren Zahl ist gemäss BFS rückläufig. Die Konkurseröffnungen nahmen demnach in allen Grossregionen ab, am stärksten im Tessin mit einem Rückgang 15,9 Prozent.

Dafür stiegen die finanziellen Verluste aus Abschlüssen von Konkursverfahren stark an: Sie beliefen sich gemäss BFS auf 8,2 Milliarden Franken. Das sind fast viermal mehr als im Jahr 2019. Das ist damit zwar ein Rekordwert, der sich jedoch einfach erklären lässt. Ein einzelnes Konkursverfahren mit einem Verlust von 6,5 Milliarden, das vor knapp 16 Jahren eröffnet worden ist, konnte nämlich erst 2020 abgeschlossen werden. Ohne diesen Sonderfall würden sich die finanziellen Verluste laut BFS im letzten Jahr auf 2,3 Milliarden Franken belaufen. Das wäre ein Minus von 30 Prozent gegenüber 2019.

Zurück gingen letztes Jahr auch die Betreibungen: 2020 wurden mit 2,6 Millionen 13,3 Prozent weniger Zahlungsbefehle, mit 1,5 Millionen 11,8 Prozent weniger Betreibungen auf Pfändung und mit gut 653'000 5,6 Prozent weniger Betreibungen auf Pfandverwertung verbucht.

Vorsicht bei der Interpretation

Allerdings mahnt das BFS bei der Interpretation der Zahlen zur Vorsicht. Denn eigentlich war aufgrund des letztjährigen starken Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) eine Konkurswelle erwartet worden. Der Hauptgrund, weshalb diese ausblieb, liegt bei den Behörden. Diese haben Massnahmen ergriffen, um genau diese Welle zu vermeiden. So hat der Bundesrat beispielsweise bereits sehr früh Unternehmen vorübergehend von der Pflicht zur Überschuldungsanzeige entbunden, eine «Covid-19-Stundung» eingeführt und Härtefälle finanziell unterstützt.

Für das BFS lassen diese Umstände daher keine klare Interpretation der Zahlen von 2020 zu. Vielmehr erwartet das Bundesamt für Statistik, dass die wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie bezüglich Konkurse auch nach dem nun ausgewerteten Jahr spürbar sein werden. Zur Analyse sollen daher die Zahlen von 2021 oder 2022 abgewartet werden, schreibt das BFS.