Coronapandemie
Alternative für Allergiker: Bund verhandelt nun auch über Impfstoff ohne mRNA

Der Bund verhandelt über den Kauf eines dritten Impfstoffes gegen das Coronavirus. Dieses Vakzin sollen vorab Personen erhalten, die keinen der bislang zugelassenen mRNA-Impfstoffe vertragen.

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Niederschwelliges Angebot: Für eine Impfung mit dem in Bümpliz entwickelten Vakzin von Janssen braucht es nur eine Spritze.

Niederschwelliges Angebot: Für eine Impfung mit dem in Bümpliz entwickelten Vakzin von Janssen braucht es nur eine Spritze.

Keystone

Der Bund steht nun auch in Verhandlungen mit dem amerikanischen Hersteller Johnson & Johnson. Das bestätigte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), am Dienstag vor den Medien in Bern. Dabei gehe es um eine «kleinere Menge» Impfdosen. Diese seien für Personen geplant, die sich aus medizinischen Gründen nicht mit den bisher in der Schweiz verfügbaren Vakzinen impfen lassen könnten. Genauere Angaben machte Mathys jedoch nicht. «Bisher wurde noch kein Vertrag unterschrieben, wir werden informieren, wenn es soweit ist», sagte der BAG-Spitzenmann.

Nach Pfizer/Biontech und Moderna verhandelt der Bund damit derzeit auch über den Kauf des dritten derzeit in der Schweiz zugelassenen Vakzins. Zuerst über die Verhandlungen berichtet hatte gleichentags der «Blick». Laut dessen Onlineausgabe hat der Bund die Kantone bereits am Freitag angewiesen, sich auf eine zeitnahe Auslieferung des Janssen-Impfstoffs namentlich für Allergiker vorzubereiten.

In Bümpliz entwickelter Impfstoff

Die Zulassungsstelle Swissmedic hatte dem Impfstoff des amerikanischen Pharma-Multis Johnson&Johnson bereits im März eine befristete Zulassung für Personen ab 18 Jahren erteilt. Dabei braucht es nur eine Impfdosis, um eine Immunität zu erreichen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schützt das unter anderem von der Tochterfirma Janssen in Bümpliz bei Bern entwickelte Vakzin 28 Tage nach der Impfung zu 85,4 Prozent gegen einen schweren Krankheitsverlauf mit Covid-19. Gegen eine mässige Erkrankung schützt der Stoff laut WHO zu 66,9 Prozent. Ob mit Janssen geimpfte Personen das Virus weitergeben können, ist laut WHO bisher noch nicht bekannt.

Gleiches Prinzip wie bei AstraZeneca und Sputnik

Janssen beruht – im Gegensatz zu den ebenfalls in der Schweiz befristet zugelassenen Impfstoffen von Pfizer/Biontech und Moderna – nicht auf der neuartigen mRNA-Technologie. Zwar wird auch bei Janssen die Immunität durch eine Reaktion des Immunsystems auf Spike-Proteine des Coronavirus erzeugt, die von körpereigenen Zellen produziert werden. Den Bauplan dafür liefert in diesem Fall aber nicht modifizierte mRNA, sondern ein gentechnisch verändertes Virus.

Auf dem gleichen Prinzip basieren auch Vakzine wie beispielsweise der von Swissmedic nicht zugelassene EU-Impfstoff von AstraZeneca oder die russischen Produkte Sputnik V und Sputnik Light. Klassische Impfungen mit deaktivierten Coronaviren, wie etwa das chinesische Coronavac oder das indische Covaxin, sind in der Schweiz bislang ebenfalls nicht zugelassen. (wap/sat)

Video: Silvy Kohler

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