SRF-Arena
Buchli wird sauer und Steinemann gibt die Anti-Feministin in der Feminismus-«Arena»

In der SRF-«Arena» gings um das Frauenstimmrecht. Funiciello, Buchli, Steinemann und Schneider-Schneiter duellierten sich.

Petar Marjanovic
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In der SRF-Arena ging es diesmal um das Frauenstimmrecht.

In der SRF-Arena ging es diesmal um das Frauenstimmrecht.

Foto: SRF

Auf dem Rückweg der Aufzeichnung waren sich mehrere Leute einig: Der Moment der Feminismus-«Arena» war jener, als die mächtigste Sportreporterin und «Blick Sport»-Chefredaktorin Steffi Buchli richtig wütend, ja fast schon hässig wurde.

Wir werden ihn auch erwähnen, weil er durchaus zum Thema passt. Die Feminismus-Frage ist aber zu ernst, um sich in einer Sendungskritik voll auf diesen einen Moment zu stürzen. Fangen wir von vorne an: In der SRF-«Arena» unter Sandro Brotz ging es gestern nicht um das Coronavirus. Es ging um das «Jubiläum» des Frauenstimmrechts, das die Schweiz morgen Sonntag feiert.

Das waren die Gäs­tinnen und der eine Gast

Brotz' Team konnte dazu dem TV-Publikum neben Buchli eine hochkarätige Runde präsentieren. Den lebendigen Feminismus vertraten SP-Nationalrätin Tamara Funiciello und die alt LdU-National-, Stände- und Zürcher Stadträtin Monika Weber. Auf Brotz' Rechten sassen die beiden Nationalrätinnen Elisabeth Schneider-Schneiter (Mitte) und Barbara Steinemann (SVP).

Und weil Feminismus eine Sache aller Geschlechter ist, kamen neben den Gästinnen auch ein Gast: Markus Theunert gilt als bekanntester Vertreter der Schweizer «Männerbewegung» und war der Mitgründer der Schweizer Männer- und Väterorganisationen «männer.ch».

Über was diskutiert wurde, verriet schon der Sendetitel: Genug gekämpft, Frauen? Die eingeladenen Personen äusserten dazu ihre Gedanken und Forderungen. Obschon von links und rechts alle mitredeten, wollte keiner so wirklich die Frage mit «Ja» beantworten. Schauen wir uns die Schlüsselmomente der Sendung an.

Steinemann und ihre Angriffe

Die SVPlerin in der Runde, Nationalrätin Barbara Steinemann, tat das, was man von ihr erwarten konnte: Sie provozierte mit pikanten Aussagen, war angriffig und präsentierte sich weder als Feministin, noch als Versteherin des verbreiteten und überparteilichen Feminismus.

«Der Frauenstreik war eine typisch linke Veranstaltung, welche die Frauen nicht repräsentiert.»

SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann

Das tat sie in einer Konsequenz und Überzeugtheit, die vor allem die SVP gut beherrscht. Und sie tat das bereits zu Beginn der Sendung, als sie den Frauenstreik als «typisch linke Veranstaltung» abtat. Sie beschuldigte die «unterschiedlichen Interessen» zwischen Mann und Frau als Grund, dass Frauen weniger verdienen und weniger in Führungsetagen sitzen.

Und sie bezeichnete die Behauptung, Kaderjobs bekäme man vor allem durch «Connections» tatsächlich als «Verschwörungstheorie». Kurz zusammengefasst: Feminismus brauche es ihrer Meinung nicht, er passe nicht zu Männern. Ein Satz machte die Sozialdemokratin Funiciello besonders sprachlos: «Warum stellen Firmen Männer ein, wenn angeblich Frauen für die gleichwertige Arbeit 18 Prozent günstiger arbeiten würden?»

Funiciello und ihr Zynismus

Dieser Anti-Feminismus kam bei SP-Nationalrätin Tamara Funiciello nicht sonderlich gut an. Zu Beginn der Sendung machte sie deshalb Steinemann klar, dass sie Problemverhamlosungen nicht akzeptieren. «Wir haben 430'000 Frauen in diesem Land, die sagen, sie seien vergewaltigt worden!», so die Sozialdemokratin an die Adresse der SVP-Vertreterin.

Funiciello überraschte sonst in der Sendung. Die umstrittene linke Feministin mit hohem Empörungspotential gab sich zwar angriffig, aber vor allem auch bemerkenswert relativierend. So bezeichnete sie die Frauenquoten-Diskussion als «ermüdend», weil es nur einen kleinen Teil der Frauen und der Wirtschaft beträfe. Und sie fand mit der Forderung nach einer Frauenquote und nach bezahlter Carearbeit (eine Art Lohn für Hausfrauen und -männer) nicht nur Sympathien bei der eher bürgerlichen alt Nationalrätin Monika Weber. Sondern auch bei Nicole Morf, die sich fürs Mutter- bzw. Hausfrausein entschieden hatte, damit ihr Mann arbeiten kann.

Man merkte Funiciello an, dass sie wütend ist und sie dadurch getrieben wird. Zu häufig gab sie jedoch die empörte und reagierte zynisch. Brotz nutzte das aus und zeichnete sie als Revolutionärin – was die SP-Frau eher schlecht als recht repräsentierte. Trümpfe wie die Sympathien bei der Frauenquote oder Carearbeit ergriff sie nicht, obwohl sie damit hätte punkten können.

Buchli und ihr Mut (und ihre Wut)

Die Frau Nummer 3 in der Runde, Steffi Buchli, «Blick Sport»-Chefredaktorin, brillierte als TV-Profi. Sie wusste, was und wie sie sagen muss, damit man ihre Position versteht. Als Kaderfrau gab sie tiefe Einblicke in die Probleme, mit denen eine Frau im höheren Business zu kämpfen hat. Man werde als «Rabenmutter» dargestellt, wenn man Kind und Karriere mache.

Sie konnte gar in einer überraschenden Anständigkeit die SVP-Nationalrätin Steinemann wegen ihrer «absurden» Lohnaussage kritisieren, ohne sich gleich als Gegnerin von Steinemann zu präsentieren. Buchli stieg nur einmal aus der Rolle der «Unparteiischen» hinaus, als ihr Verhältnis zwischen Karriere und Kind aufgegriffen wurde. Die zugeschaltete Mutter fragte, wofür Buchli denn Kinder brauche, wenn sie sie in die Krippe gebe.

Die harsche Reaktion von Buchli fing politisch überlegt an: «Es gingen ganze Länder zu Boden, wenn alle so denken würden. In Süditalien muss man einfach arbeiten, damit man über die Runden kommt. Nonno und Nonna sind dann da – man hat keine Wahl.» Auf die wiederholte Frage wurde Buchli dann aber laut: «Nein, bitte! Führen wir bitte eine sachliche Diskussion!»

Schneider-Schneiter und ihr Glaube

Und die Mitte-Politikerin Elisabeth Schneider-Schneiter? Aus ihr wurde man nicht wirklich schlau. Einerseits stritt sie die Notwendigkeit des Feminismus ab («Mit Feminismus erreicht man keine Gleichstellung»), und betonte die Notwendigkeit der Männer in frauenpolitischen Anliegen.

Andererseits reagierte sie mit dem wohl schwächsten Argument auf eine Behauptung, die Buchli aufgestellt hatte. Die Sportreporterin erzählte von der «gläsernen Decke» in gewissen Branchen, so gebe es etwa im Private Banking fast keine Frauen, weil das niemand dort wolle.

Schneider-Schneiters Reaktion? «Das glaube ich nicht.» Jedes Unternehmen wisse, wie wichtig Diversität für den Erfolg sei. Wenige Sekunden erzählte sie dann aber, dass sie als Economiesuisse-Frau interveniere, wenn ein Unternehmen rein männlich geführt werde. In solchen Momenten merkte man, dass Schneider-Schneiter eine «Mitte»-Politikerin sein will. Diese mittige Politik müsste aber auch eine Linie haben und sich nicht nur auf Ablehnung von links und rechts beschränkten.

Notizen für die Zukunft

SVP-Politikerin Steinemann vermutet hinter «Connections und Kaderjobs» eine Verschwörungstheorie und scheint sich mit Mozart auszukennen, der sehr viel früher gelebt hat.

SP-Politikerin Funiciello will sich der Männerdiskriminierung an der Universität Zürich widmen, auch wenn sie noch andere Probleme an der Universität Zürich sieht.

Der Fach-Mann Theunert will die Hälfte der unbezahlten Arbeit, die Hälfte der verschissenen Windelwechslungen fair aufteilen – und kann überraschend ruhig auf Angriffe kontern.

Mitte-Politikerin Schneider-Schneiter will keine Feministin sein. Wenn Nicht-Feministin Steinemann aber Lohndiskriminierung rechtfertigt, kann auch sie nicht schweigen.

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