Stockende Impfkampagne
Kampf gegen die Pandemie: Ein Impfzwang ist der falsche Weg

Die ungeimpfte Bevölkerung muss mit Information und Aufklärung vom Sinn der Impfung überzeugt werden. Eine Impfpflicht wie in Frankreich oder Griechenland fürs Pflegepersonals wäre ein zu starker Eingriff.

Roman Schenkel
Roman Schenkel
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Eine junge Frau erhält im Kinder-Impfzentrum des Kinderspitals Zürich ihre Corona-Impfung.

Eine junge Frau erhält im Kinder-Impfzentrum des Kinderspitals Zürich ihre Corona-Impfung.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Der Weg aus der Pandemie gelingt nur, wenn möglichst rasch möglichst viele Menschen geimpft sind. Diese Erkenntnis gilt inzwischen als Allgemeingut. Wie dieses Ziel zu erreichen ist, darüber gibt es allerdings verschiedene Meinungen. In Frankreich etwa reagiert Präsident Emanuel Macron auf die lahmende Impfkampagne mit einer Impfpflicht fürs Pflegepersonal. Auch Griechenland hat sich für diesen Weg entschieden.

In der Schweiz gilt eine generelle Impfpflicht als ausgeschlossen. Das ist gut so. Verbote und Pflichten haben zwar in den letzten 18 Monaten besser gewirkt als blosse Empfehlungen. Viele Menschen waren froh um klare Ansagen, um nicht selber ständig abwägen zu müssen, ob sie nun etwa im Zug eine Maske tragen sollen oder nicht.

Eine Impfpflicht ist eine andere Ebene. Dabei rückt der Staat den Bürgerinnen und Bürgern buchstäblich auf den Leib. Er schreibt ihnen vor, sich ein Vakzin zu injizieren, das zwar guten Schutz bietet, das aber auch noch sehr neu ist. Die Unklarheiten rund um den Wirkstoffs von Astrazeneca haben gezeigt, wie sensibel das Thema ist, wie schnell die Impfeuphorie verfliegen kann.

Der auch in der Schweiz stockende Impffortschritt muss auf andere Weise zum Laufen gebracht werden. Neben dem Vertrauen in die Impfstoffe braucht es vor allem eins: Aufklärung. Nur so lassen sich Vorbehalte abbauen. Um die Vakzine unters ungeimpfte Volk zu bringen, braucht es also kreative Kampagnen und offensive Kommunikation. Keinen Zwang.