Medienkolumne
Die wahre Herausforderung kommt noch auf Clubhouse zu

Die App Clubhouse verbindet Podcast und Social Media. Und das beste: Mann kann hier zivilisiert diskutieren. Doch wie lange noch?

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Keystone

Kein neues Medium ohne Skandal. Dass die App Clubhouse bereits für einen Eklat sorgte, hat Matthias Ackeret letzte Woche hier geschrieben. Doch damit ist die Story um die neue Lieblings-App aufgeschlossener Netz-Menschen nicht zu Ende erzählt.

Die Idee von Clubhouse ist so naheliegend, dass man sich fragt, warum es die App nicht schon lange gibt. Auf der Plattform kann man Gesprächsrunden ansetzen; das Publikum kann mithören, sich aber auch zu Wort melden.

In einer Zeit, in der wir von hektischen Videos und dem Endlos-Scrollen in Timelines froh sind, einfach mal einer Stimme zu lauschen, trifft die App einen Nerv.

Vor allem aber: Während Debatten auf Twitter und Co. schnell in Hass-Tiraden münden, herrscht auf Clubhouse eine zivilisierte Diskussionskultur. Man hört sich zu, geht aufeinander ein. Das zumindest zeigte sich, beim ersten Clubhouse von CH Media, den wir am Donnerstagabend zum Thema «Mentale Stärke in der Krise» durchgeführt haben.

Der respektvolle Umgang miteinander rührt sicher auch daher, dass man beim Sprechen ein bisschen weniger anonym ist als beim Schreiben. Man kann sich aber auch nicht ins Wort fahren, da einem ein Moderator das Mikrofon freigeben muss.

Doch die wahre Herausforderung kommt erst noch auf die App zu, nämlich dann, wenn die grosse Masse in den «Club» strömt. Wie mit sexistischen, extremistischen und verschwörungstheoretischen Aussagen umgehen? Hoffentlich machen sich die Entwickler bereits Gedanken dazu.