Medien
Facebook, unverzichtbar

Der Ausfall bei Facebook gezeigt: Die Social-Media-Kanäle gehören mittlerweile zur «kritischen Infrastruktur». Wenn auch nicht faktisch, sondern lediglich gefühlt.

Christian Mensch
Christian Mensch
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«Unbehagen». So lautet der Titel eines neuen Werks des deutschen Soziologen Armin Nassehi. Er beschreibt darin unsere Realität als eine an ihrer eigenen Komplexität überforderten Gesellschaft, die krisenhaft reagiert, sobald die Rädchen nicht mehr sauber ineinander greifen.

Solches ist geschehen, als Anfang Woche Facebook für sechs Stunden ausser Betrieb war. Kein Hack, kein Unfall, bloss ein technischer Bug war die Ursache. Und doch entfachte der Ausfall eine krisenhafte Erschütterung, als wäre tatsächlich etwas Krisenwürdiges passiert.

Am Beispiel Covid zeigt Nassehi, was noch im verstärkten Mass für den Facebook-Fallout gilt: Das gesellschaftliche Unbehagen im Krisenmodus ist weniger den tatsächlichen Problemen geschuldet als vielmehr der Verunsicherung, die damit einhergeht. Sechs Stunden ohne Facebook haben bereits das Unbehagen getriggert, was für eine bescheidene Resilienz spricht, wie die Widerstandsfähigkeit heute bezeichnet wird.

Höchste Zeit also, das Zusammenspiel von Facebook und KI neu zu denken. Bisher steht das Kürzel für «künstliche Intelligenz», für lernfähige Algorithmen also, die Facebook zu einem stets raffinierteren Medienprodukt machen. Neu müsste das Kürzel jedoch auch für «kritische Infrastruktur» stehen. Damit sind Sektoren gemeint, die für das Funktionieren der Gesellschaft als besonders unverzichtbar gelten. Schliesslich sorgt Facebook schon ohne Ausfall für genügend Unbehagen.

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