Leserbrief
Vorderhand eine wenig vertrauenerweckende Option

«E-Patientendossier soll gratis sein», Ausgabe vom 27. Februar

Merken
Drucken
Teilen

Thomas Zurkinden rechnet damit, dass sich über die nächsten zehn Jahre gut die Hälfte der Bevölkerung für das E-Patientendossier registrieren wird. Das wird allerdings sehr davon abhängen, ob unsere Schweizer IT-Leute bessere Arbeit zu leisten imstande sind als ihre ausländischen Kollegen. Denn Wikileaks, Panama- und Paradise-Papers führten vor Augen, dass es mit der Sicherheit von E-Daten nicht weit her ist. Diese Datenlecks betrafen allerdings «nur» geheime staatliche und politische Dokumente und Bankdaten von Flucht -und Schwarzgeldern.

Einschneidender und unerträglicher ist es jedoch, wenn die angeblich besonders gut geschützten Gesundheitsdaten gehackt werden. In Norwegen kopierten Hacker die Daten von 3 Millionen Menschen. Gemäss NZZ vom 16. Februar 2019 gelangten in Singapur durch ein Datenleck die persönlichen Daten von 14 200 HIV-Infizierten an die Öffentlichkeit.

Hoffentlich werden unsere Informatiker das besser machen. Gewiss wird der Zugang zu den Daten mit hohen Hürden verbunden sein. Vielleicht ähnlich wie beim E-Banking. Doch wie soll das gehen, wenn Not am Mann oder an der Frau ist? Kommt man schwer verletzt, benommen, verwirrt oder gar bewusstlos auf die Notfallstation, ist es vorbei mit eigenhändiger PIN- oder Passworteingabe. Dann muss eben der Erstbeste unverzüglich auf das E-Patientendossier zugreifen können. Und schweizweit, in jedem Spital. Und in einem weiteren Schritt in Pflegeheimen und Geburtshäusern. Und dann wohl in jeder Praxis. Klar, dass auch Krankenkassen und Gesundheitsbehörden liebend gerne Einsicht nähmen

So werden es zum Schluss Zehntausende sein, die im Notfall zugreifen können. Wenn nicht, ist ein E-Patientendossier eine wenig hilfreiche Schönwetterübung. Doch je grösser der Kreis der Zugangsberechtigten, desto grösser die Gefahr und Wahrscheinlichkeit von Datenklau. Ich auf jeden Fall warte mal ab und gebe meine Zustimmung zu einem E-Patientendossier erst, wenn es während mindestens 2-3 Jahren keine erfolgreichen Hackerangriffe mehr gab. Denn auch ich sähe es ungern, wenn meine Krankendaten plötzlich in aller Leute Mund sind.

Dr. med. Hans Portmann, Entlebuch