Leserbrief
«Teil eines neuen Machtspiels»

«Reformierte ringen mit der ‹Ehe für alle›», ZAS-Ausgabe vom 16. Juni

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Die Ehe ist in unseren Breitengraden eine vertragliche Verbindung zwischen Frau und Mann. Sie ist eine über Jahrhunderte gewachsene Einrichtung mit vielen rechtlichen und gesellschaftlichen Aspekten und so zu einem kulturellen Begriff geworden.

Im Zuge der Genderdiskussion und der gesellschaftlichen Anerkennung der Homosexualität hat sich auch bei uns eine rechtliche Form des Zusammenlebens gleichgeschlechtlicher Personen entwickelt, die «eingetragene Partnerschaft». Sie ist seit 2007 gesetzlich geregelt im Vergleich zur Ehe noch sehr jung und noch nicht im Detail ausgereift. Wenn behauptet wird, dass in der Schweiz die grosse Mehrheit für die «Ehe für alle» sei, werden jene, die anders denken, als Ewiggestrige abgestempelt. Und weil das ja niemand sein will, wird geschwiegen.

Was passiert, wenn wir uns nicht wehren, beschreibt Claudia Wirz eindrücklich in der NZZ vom 31. Mai (S. 38): «Alles, was als Gleichstellungs- und Gerechtigkeitsprojekt im Sinne der Gender- und Diversity-Lehre daherkommt, ist Teil eines neuen Machtspiels, in dem kleine, sich selbst ermächtigende Minderheiten der langweiligen, braven Mehrheit ihre bunte Weltsicht aufprägen wollen. Das nennt man Mainstreaming».

Politiker berufen sich darauf, dass ja die «Ehe für alle» bereits in vielen Staaten akzeptiert sei. Dem ist beizufügen, dass diese meist nicht im Einverständnis mit der Bevölkerung eingeführt, sondern von Parlamenten bestimmt wurde.

Mich (Jg. 1935) geht das ja bald persönlich nichts mehr an. Ich habe aber vier liebenswürdige Enkelkinder. Ihnen möchte ich, wenn‘s geht, eine ganz normale Welt mit Frauen und Männern, mit Schwestern und Brüdern, Onkeln, Tanten, Schwägerinnen und Schwiegereltern hinterlassen, obwohl das gemäss selbst ernannten Sprachpolis «ausgrenzende Begriffe aus dem Repertoire des rückständigen Konzepts zweier Geschlechter sind».

Guido Wüest, Uster