Leserbrief
Politik: Kirchen müssen ihren Platz neu finden

Zu den «Ansichten» «Wer hat Angst vor der Kirchen­debatte?», Ausgabe vom 15. Februar

Merken
Drucken
Teilen

Welchen Sinn macht die Debatte um Politik und Kirchen? Beide standen von jeher in gespanntem Verhältnis.

Jetzt, da sich Letztere immer mehr im Abseits sehen, sind sie durch die politische Kritik neu aufgefordert, ihren ureigenen Platz in der Gesellschaft zu finden. Und darum wird je länger je wichtiger, den Religionsgemeinschaften ihre wichtige Rolle zu überlassen und nicht zuletzt wider den Geist der absoluten Gewinnmehrung einzustehen, der der Solidarität mit den Ausgegrenzten den Rücken kehrt.

Bevor sie sich lautlos verabschieden, sollten sie neu über die Bücher gehen – ganz im Sinne eines Vorbildes aus nicht ferner Zeit.

Es war Dietrich Bonhoeffer, der aus dem Gefängnis zur Taufe seines Patenkindes schrieb: «Unsere Kirche, ­ die in diesen Jahren nur um ­ ihre Selbsterhaltung gekämpft hat, als wäre sie ein Selbstzweck, ist unfähig, Träger des versöhnenden und erlösenden Wortes für die Menschen und für die Welt zu sein. Darum müssen die früheren Worte kraftlos werden und ver­stummen, und unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im ­ Tun des Gerechten unter den Menschen. Alles Denken, Reden und Organisieren in ­ den Dingen des Christentums muss neugeboren werden aus diesem Beten und aus diesem Tun.»

Zur Erinnerung: Die ­Menschenrechte geben zu dieser neuen Rollenfindung eine sinnvolle Grundlage.

Stephan Schmid-Keiser, Dr. theol., St. Niklausen