Leserbrief
Die Situation der zahlreichen Laienchöre ist existenzbedrohlich

«Luzern bleibt noch länger eine Kulturwüste», Ausgabe vom 11. Mai

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Es ist bedauerlich, dass sich die auf Rendite angewiesenen Chöre in finanzieller Not befinden. Allein, was dem Publikum dadurch an Hörgenuss entgeht, ist tragisch und oft für immer verloren. Nun sind aber auch Laienchöre ohne finanziellen Druck im Ungewissen über ihre Zukunft. Als Beispiel erwähne ich den Seniorenchor Luzern. Leider gerieten auch wir in die Negativspirale des Lockdowns, indem wir unser lange geplantes Jahreskonzert von Ende Juni absagen mussten.

Bei unseren über 60 Mitgliedern handelt es sich um Senioren, die motiviert und fit genug sind, um die Anforderungen eines Chors unter professioneller Leitung zu erfüllen. Dass durch den gemeinsamen Gesang das Immunsystem nachhaltig gestärkt wird, ist eine von Ärzten und Psychologen längst bestätigte Tatsache. Die soziale Verbundenheit entsteht durch die gute Stimmung innerhalb des Chors. All diese wichtigen Voraussetzungen für unser körperliches, seelisches und geistiges Wohlbefinden wurden uns vor neun Wochen abrupt genommen. Die Verbannung ins häusliche Exil hat uns gleich mehrfach getroffen, und es ist noch keine Lösung in Sicht, wie es weitergehen soll. Die meisten Chormitglieder gelangen mit der bangen Frage an den Vorstand, wann wir mit den Proben fortfahren, und ob das verschobene Jahreskonzert im Herbst nun stattfindet.

Es wird viel kommuniziert, dass die Ansteckungsgefahr in Chorgemeinschaften sehr hoch sei. Oftmals widersprechen sich sogar innerhalb eines Artikels die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Empfehlungen. Daher zähle ich auf die Selbstverantwortung aller Beteiligten und bin sicher, dass im Ernstfall alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen würden.

Die Perspektive des Seniorenchors Luzern bezieht sich aktuell auf die Wiederaufnahme der Proben ab August. Das hängt aber von den Bestimmungen übergeordneter Stellen ab. Zur Entscheidungsfindung wünsche ich allen Verantwortlichen ein sicheres Gespür und eine glückliche Hand, um uns und über 100 Laienchören im Kanton Luzern den Weg zurück zur Normalität bald zu ermöglichen, bevor ein Teil dieser Vereine nicht aus finanziellen, sondern aus anderen existenzbedrohlichen Gründen von der Chorlandschaft verschwindet.

Yvonne Glur, Seniorenchor Luzern