Leserbrief
«Das Verkehrshaus kann seine Geschichte nicht einfach entsorgen»

«Zwangspause für Gotthard- Bahn», Ausgabe vom 17.August

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Glücklicherweise kann das Verkehrshaus Luzern wahrscheinlich schon bald mit der dringend nötigen Erneuerung der Ausstellung Schienenkehr beginnen. Obwohl nicht sehr beliebt, äussere ich mich als ehemaliger Mitarbeiter des Verkehrshauses zum wenig sensiblen Umgang mit dem Gotthardmodell.

Gemäss dem Sprecher des Museums soll das Modell nach Möglichkeit erhalten bleiben. Ein Bekenntnis sieht anders aus. Das 1959 gegründete Verkehrshaus wurde quasi um das Modell herum gebaut.

Wenn ich mich richtig erinnere, hat das Modell sogar die Inventar-Nummer eins. Das Modell zeigt einen Abschnitt der wichtigsten Eisenbahnlinie der Schweiz und eine der wichtigsten Europas. Der Eisenbahnmodellbau Klub Luzern (EMBL) machte das Modell dem Verkehrshaus mit seinen tausenden von unbezahlten Stunden zum Eröffnungsgeschenk. Auch heute spielt der Klub beim Betrieb eine wichtige Rolle.

Aus vier Gründen gehört das Modell erhalten und be- trieben. Das Objekt ist Teil der Geschichte des Museums. Der Leitspruch des Verkehrshauses «Zukunft braucht Herkunft» sollte auch für seine eigene Geschichte gelten.

Das Modell zeigt die Gotthard-Panoramastrecke in einem historischen Zustand, mit den damals noch existierenden Stahlfachwerkbrücken. Die schon fast geheimnisvolle Linienführung, bei der die Züge immer wieder unverhofft in einem Kehrtunnel verschwinden und an einem anderen wieder auftauchen ist heute noch beste Unterhaltung.

Das Modell ist eines der letzten betriebenen Eisenbahnmodelle aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. In verschiedenen Facebook- Kommentaren wird geäussert, dass das Modell auch an anderen Orten betrieben werden könnte.

Das Verkehrshaus kann seine eigene Geschichte nicht einfach entsorgen oder im besten Fall verschenken. Es ist hoffentlich anzunehmen, dass das Museum mit seiner provozierenden Nachricht nur erkunden will, wie eine Erhaltung des Modells über Spenden finanziert werden könnte.

Kilian T. Elsasser, Historiker, Göschenen

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