Wochenkommentar
Warum Coronatests nicht gratis sein dürfen

Der Bundesrat will die Covid-Tests nicht mehr gratis anbieten. Geimpfte sollen nicht den Impfverweigerin die Tests bei Grossveranstaltungen bezahlen müssen.

Bruno Knellwolf
Bruno Knellwolf
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Der Bundesrat will ab Oktober keine Gratistests mehr.

Der Bundesrat will ab Oktober keine Gratistests mehr.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Mehr als 2000 Neuinfektionen wurden diese Woche Tag für Tag gemeldet. Dass wir nun nicht in Panik verfallen und bereits über den nächsten Lockdown oder zumindest schärfere Massnahmen nachdenken, hat nur einen Grund: Die Impfung.

Über die Hälfte der Schweizer Bevölkerung hat sich in den vergangenen Monaten impfen lassen. Dank der Geimpften halten sich die Hospitalisationen und die Todesfälle im Rahmen. Allerdings: Wer geimpft ist, hat zwar ein 80-fach kleineres Risiko einer Corona-Erkrankung, eine Impfung ist aber kein Totalschutz. Geimpfte sind vor schwerer Erkrankung gut geschützt, doch dieser Schutz wird im Umkreis der dominierenden und sehr ansteckenden Deltavariante durch Ungeimpfte verringert, weshalb mit mehr Impfdurchbrüchen bei Risikopatienten zu rechnen ist, wenn sich nicht mehr Menschen immunisieren lassen.

Fehlt die Bereitschaft der Jüngeren, grassiert das Virus weiter und es wird auch wieder zu mehr Spitaleintritten kommen – von jüngeren Ungeimpften und auch von geimpften, betagten Risikopatienten, bei denen die Spritze am wenigstens stark wirkt. So kann es auch Geimpften nicht egal sein, ob sie an einem Konzert oder im Stadion neben einer ungeschützten Person sitzen, die das Virus windpockenartig verbreiten kann.

Belohnung für das Abseitsstehen muss wegfallen

Impfen ist also nicht nur ein selbstloser Akt, sondern auch einer der Solidarität, mit dem eine Herdenimmunität zumindest angestrebt wird. Je grösser diese wird, desto weniger zirkuliert das Virus. Aus dieser Sicht gibt es keinen Grund, dass geimpfte Menschen denjenigen, die freiwillig auf die Impfung verzichten, die Tests weiterhin mit rund 20 Millionen Franken Steuergeldern pro Monat bezahlen müssen. Diese Belohnung für das Abseitsstehen muss wegfallen, so wie der Bundesrat das nun plant und das auch in Deutschland der Fall ist.

Dass der Bund Geld spart, ist das eine, noch wichtiger ist, dass damit der Impfanreiz für Halbentschlossene oder Bequeme deutlich ansteigt. Dann ist es nicht mehr nur lästig, sich dauernd bei jedem Stadion- oder Messeeintritt ein Stäbchen in die Nase stecken lassen zu müssen, sondern hat neben dem Zeitverlust auch seinen Preis.

Denn zum Wohle aller muss die Impfkampagne nach den Ferien nun nochmals Fahrt bekommen. Im Herbst wird die Situation wegen Delta auch jahreszeitbedingt wieder schwieriger. Die Impfbereitschaft von gut 70 Prozent der Bevölkerung, welche mehrere Umfragen im Frühling gezeigt haben, bleibt ein anstrebenswertes Ziel.

Arroganz und Ignoranz, die nicht mit Steuergeldern unterstütz werden muss

Natürlich wird die Kostenpflicht beim Testen die Hardcore-Impfgegner nicht ins Impfzentrum oder zum Hausarzt locken. Sie werden wieder aufschreien und Impfzwang rufen. Dieser Teil der Bevölkerung ist für wissenschaftliche Fakten aber sowieso nicht empfänglich. Die Aussagen von Virologen, Infektiologen und Epidemiologen, die sich ein Leben lang mit Viren beschäftigten, haben in deren Welt kein Gewicht. Lieber holen sich die Impfgegner ihre Argumente in den Verschwörungskisten von Telegram & Co. Keine Ahnung, wie die selbsternannten Freunde der Verfassung und deren Gesinnungsschwestern die Seuche erledigen wollen, ob mit Schamanen, Globuli oder Wegreden – funktionieren wird das nicht.

Zu bedenken ist, dass es seit Beginn der Pandemie vor eineinhalb Jahren noch nie einen solchen Effort von Wissenschaft, Medizin, Industrie und Politik gegeben hat, um so schnell wie möglich ein Gegenmittel zu finden. Und dieses Gegenmittel ist heute überall auf der Welt ein rares und gesuchtes Gut. Viele Regierungen gerade ärmerer Länder wären froh, sie könnten nur schon einem Teil der Bevölkerung einen Impfschutz bieten. In der Schweiz steht dieser allen zur Verfügung und wird immer noch von zu vielen schnöde abgelehnt. Eine Arroganz und Ignoranz, die nicht noch mit Steuergeldern für Covid-Tests unterstützt werden muss.

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