OLYMPISCHE SPIELE IN CHINA
Legitime Diskussion über Schweizer Boykott

Die Verletzungen der Menschenrechte in China sind so gravierend, dass die Frage zulässig ist: Soll sich diese Regime im Glanz Olympischer Spiele sonnen können?

Francesco Benini
Francesco Benini
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Politiker in verschiedenen westlichen Demokratien fordern, dass die Winterspiele 2022 in Peking boykottiert werden sollten.

Politiker in verschiedenen westlichen Demokratien fordern, dass die Winterspiele 2022 in Peking boykottiert werden sollten.

Keystone

Das Internationale Olympische Komitee vergibt die Spiele gerne an Länder, die diktatorisch regiert werden. Die Budgets, die Bauprojekte und die Einhaltung von Umweltstandards entziehen sich einer demokratischen Kontrolle. Darum geht alles schneller und unkomplizierter.

Nun fordern Politiker in verschiedenen westlichen Demokratien, dass die Winterspiele 2022 in Peking boykottiert werden sollten. In der Schweiz laden die Grünen den Bundesrat zur Prüfung eines Boykotts ein.

China ist für die Schweiz ein wichtiger Handelspartner, und ein Rückzug von den Spielen wäre zweifellos ein Affront. Zugleich ist es offensichtlich, dass das chinesische Regime die Menschenrechte in obszöner Weise verletzt. Die Lage der uigurischen Minderheit ist katastrophal. Und auch in anderen Teilen Chinas werden Menschen geknechtet, welche die Herrschaft der kommunistischen Partei in irgendeiner Weise stören.

Soll sich ein Regime, das auf die Einhaltung der Menschenrechte pfeift, im Glanz Olympischer Spiele sonnen? Die Diskussion dieser Frage ist legitim. Soll der grösste sportliche Anlass der Welt in die Hände von Diktatoren gelegt werden, die Menschen verschwinden lassen, nur weil deren Meinungen nicht genehm sind? Der Westen hat vor China zu lange den Kotau gemacht. Wenn die Spiele dazu führen, dass der Machtmissbrauch in Peking angeprangert wird, haben sie ihren Zweck erfüllt.