Kommentar
Israel - China: Das ist eine gefährliche Impfdiplomatie

Länder wie Israel und China politisieren auf dem globalen Parkett mit der Verteilung der Impfstoffe. Sie verschenken riesige Mengen an Impfstoffen – solange sich die Empfänger politisch beugsam zeigen.

Samuel Schumacher
Samuel Schumacher
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Gute Bekannte: Israels Premier Benjamin Netanjahu und Chinas Präsident Xi Jinping.

Gute Bekannte: Israels Premier Benjamin Netanjahu und Chinas Präsident Xi Jinping.

Pool / Getty Images AsiaPac

Das Frühjahr 1971 war der Geburtsmoment einer neuen Form der internationalen Annäherung: Die Tischtennis-Nationalmannschaften Chinas und Amerikas freundeten sich an der WM an, luden sich gegenseitig ein und ebneten damit den Weg für eine erste Annäherung zwischen den beiden verfeindeten Ländern. Die Pingpong-Diplomatie war geboren.

Genau 40 Jahre später taucht eine neue, weniger sportliche Form der internationalen Partnerschaft auf dem politischen Parkett auf: die Impfdiplomatie. Wie sie funktioniert, zeigt uns nicht nur China, sondern auch Israel. Überschüssiger Impfstoff wird an andere Länder verschenkt – aber nur dann, wenn sich diese Länder gegenüber den Schenkenden erkenntlich zeigen. China, zum Beispiel, erhofft sich durch seine Lieferungen an lateinamerikanische Nationen Zugang zu neuen Rohstoffmärkten. Und Israel hat seine pandemischen Präsente an Länder entrichtet, die Jerusalem als israelische Hauptstadt anerkennen oder dem Staat in sonst einer Form nahestehen.

Das ist weder schockierend noch skandalös. Im Falle der aktuellen Pandemie aber ist es gefährlich. Wenn sich Israel weiterhin weigert, die Bevölkerung in den besetzten Palästinensergebieten an seinem Impfwunder teilhaben zu lassen, wird das Virus weiter grassieren können. Und anders als die unliebsamen Nachbarn lässt sich Corona nicht von Grenzen abschrecken, mögen da noch so hohe Mauern stehen.