Kommentar
Der Coronaherbst beginnt früher und das betrifft am Ende auch die Geimpften

Die Infektionskurve hat die Talsohle womöglich schon erreicht. Das, was kommt betrifft vielleicht die Spitäler nicht mehr extrem. Aber dass jeder nur macht, was er für sich allein am besten findet, funktioniert nach wie vor schlecht.

Sabine Kuster
Sabine Kuster
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Der Sommer allein auf dem Einhorn geniessen - das geht gut, bis man sich am Strand doch wieder Gedanken über Corona machen muss.

Der Sommer allein auf dem Einhorn geniessen - das geht gut, bis man sich am Strand doch wieder Gedanken über Corona machen muss.

Bild: Anthony Anex/Keystone

Was für eine herrlich gesunkene Infektionskurve! Viermal weniger als vor einem Monat. Das Risiko, sich aktuell mit Corona zu infizieren, ist wahrhaftig klein. Und doch folgt nun ein Signal, das man ernst nehmen sollte: Am Montag wurden gegenüber dem vorletzten Wochenende 88 Prozent mehr Fälle gemeldet. Es ist vermutlich kein Ausreisser, denn schon am Donnerstag und Freitag stiegen die Zahlen.

Die vierte Welle kommt nicht erst im Herbst. Sie beginnt höchstwahrscheinlich jetzt. So war es auch vor einem Jahr: Ab Juli gingen die Zahlen sachte aufwärts, sodass sie kaum beachtet wurden. Doch nun nimmt mit Delta eine Variante Überhand, die rund doppelt so ansteckend ist wie das Ursprungsvirus.

Andererseits ist die Hälfte der Bevölkerung mindestens einmal geimpft und hat somit ein geringes Risiko, sehr schwer zu erkranken. So droht den Spitälern keine Überlastung und wenn wir Glück haben, kommt es selbst auf dem Höhepunkt der vierten Welle nicht mehr dazu.

Kann die Bevölkerung also gelassen sein und den Sommer weiter unbeschwert geniessen? Schliesslich fürchten sich die Geimpften nicht – und die Ungeimpften meist auch nicht. Aber so einfach ist es nicht. Ansteigende Infektionen werden auch dieses Mal nicht nur Einzelne treffen, sondern durch verlängerte Masken- oder Testpflicht sowie mehr Möglichkeiten fürs Virus zu mutieren das ganze Land beeinträchtigen.