Öffentlicher Raum
Jetzt helfen nur noch Zahnbürsten

Bettina Hamilton-Irvine ist keine Befürworterin von Verboten. Eigentlich.

Bettina Hamilton-Irvine
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Ab und an würden sich Strafen für Primarschüler auch wunderbar für einige Erwachsene eignen.

Ab und an würden sich Strafen für Primarschüler auch wunderbar für einige Erwachsene eignen.

Keystone

Es hätte fast schon ein romantischer Spaziergang werden können. Die Sonne lacht mich an, die Vögel zwitschern und ich nehme beschwingten Schrittes den Spanisch-Brötli-Weg zum Bahnhof Dietikon unter die Füsse, während ich in meinem Kopf leise vor mich hinsumme. Doch dann stört etwas jäh die Idylle: Einer der beiden jungen Männer vor mir zieht röchelnd sein halbes Gehirn in den Rachen hinunter und spuckt es neben sich auf den Boden. Plotsch!

Ich zucke zusammen, drehe mich angewidert weg und mache einen Bogen um das Corpus Delicti. Ich versuche, meinen Ekel abzuschütteln und trotte weiter, etwas weniger beschwingt. Da wiederholt sich das unappetitliche Schauspiel vor mir gleich noch einmal. Und noch einmal. Pfui Teufel.

Eigentlich bin ich gar kein Fan von allzu vielen Verboten. Aber wenn ich wieder einmal auf einem öffentlichen Platz im Zickzackkurs durch ein Meer von Spuckehäufchen navigieren muss, ertappe ich mich dabei, wie ich mir wünschte, die «Chodderer» würden bestraft. Nun: Tatsächlich ist das öffentliche Spucken in Dietikon nicht erlaubt. Die Polizeiverordnung hält fest, es sei verboten, den öffentlichen Grund durch Spucken zu verunreinigen. Kostenpunkt bei Zuwiderhandlung: 80 Franken.

Mit dieser Regelung ist Dietikon nicht alleine. So gibt es beispielsweise auch in Wallisellen, Oberweningen, Wädenswil, Dübendorf oder Uster ein Spuckverbot. In Obwalden ist das öffentliche Auswerfen von Schleim gar auf Kantonsebene untersagt. Die Verbote sind aber generell schwierig durchzusetzen, es sei denn, man ertappt den Sünder auf frischer Tat. Das hielt wohl auch den Aargauer Regierungsrat davon ab, das Spucken im ganzen Kanton zu verbieten, obwohl er es, wie er einst in der Antwort auf eine Interpellation schrieb, «unanständig, unhygienisch und abstossend» findet.

Da kann ich ihm nur zustimmen. Um dem öffentlichen «Choddern» einen Riegel vorzuschieben, sollte die Stadt Dietikon aber in Betracht ziehen, sich an der Bestrafung zu orientieren, die sich der Schülerrat der Primarschule Dielsdorf ausgedacht hat. Dort gilt nämlich: Wer auf den Pausenplatz spuckt, muss die Spucke mit einer Zahnbürste wegfegen.

Ich sage: Stattet die Stadtpolizisten mit Zahnbürsten aus, die sie den Spuckern bei Bedarf liebevoll in die Hand drücken können. Und dann wird geschrubbt.

Bettina Hamilton-Irvine ist Stellvertretende Chefredaktorin der Limmattaler Zeitung. Sie wohnt in Dietikon.