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Hört auf, nachzudenken!

Darf ein Vater nackt mit seiner Tochter baden? Gegenfrage: Muss man sich diese Frage überhaupt stellen?

Reto Hunziker
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Torben Chris mit Tochter in der Badewanne

Torben Chris mit Tochter in der Badewanne

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Torben Chris? Der Name sagte mir nichts. Bis ich diesen Artikel hier gesehen und gelesen habe. Demnach gab in Dänemark ein Foto zu reden, das Chris auf Facebook postete. Es zeigt ihn und seine Tochter in der Badewanne. Die Aktion ist nicht unmotiviert: In seinem Comedy-Programm «Jydelogik» geht es um den dänischen Umgang mit Nacktheit. Und Chris verfehlte sein Ziel nicht, es hagelte Kommentare - wohlwollende, aber auch feindselige. Dass ein Mann nackt mit seiner Tochter badet, fanden einige schon zu viel. Und dann sitzt sie erst noch zwischen seinen Beinen. Ist das nicht daneben? Grenzt das nicht an Pädophilie? Mensch! Nun können wir leicht sagen: Es ist was faul im Staate Dänemark. Oder: Die spinnen, die Dänen.

Aber auch bei uns werden solche Fragen diskutiert. Vor gut einem Jahr schrieb Markus Theunert, praktisch die Gallionsfigur der Männer-Lobby, er bade nicht mit seiner Tochter, weil er sie schützen wolle. «Als Mann und Vater ist mir der unverkrampfte Umgang verloren gegangen», so Theunert. Die Entscheidung, ob man mit seiner Tochter bade oder nicht, komme einer Wahl zwischen Regen und Traufe gleich: Entweder das männliche Genital tabuisieren oder die Grenzen des heute Zumutbaren überschreiten.

Ich weiss noch, dass ich mich darüber wunderte, wie ein Männerrechtler so etwas schreiben konnte. Für mich ist die Diskussion ein eindeutiger Fall von too much concern – zu viel Aufhebens, zu viele Gedanken für etwas, das mehr Intuition denn Hirn erfordert. Mir war immer klar, dass ich mit meiner Tochter in die Badewanne steigen würde, so wie es auch meine Freundin tut. Und es war auch klar, dass ich keine Badehose anziehen würde. Wozu auch? Bloss weil es ein paar wenige Männer gibt, die pädophil sind und die Gesellschaft darum hypersensibilisiert?

Für mich ist es – wie für Torben Chris - selbstverständlich, dass ich meine Tochter «untenrum» wasche. Dass ich mir ab und zu seltsam vorkomme, meiner Tochter an den Genitalien herumzuschrubben, ist für mich okay. Bisher hatte sie dafür genauso wenig Aufmerksamkeit übrig wie für meinen Penis. Für den Fall, dass sie dann doch mal meint, daran herumzupfen zu müssen, habe ich mir folgende Worte zurechtgelegt: «Nein, das ist meins.» So einfach ist das.

Ich lasse mich von der teilweise kranken Gesellschaft doch nicht derart «verkopfen», auf ein Bad mit meiner Tochter zu verzichten. Der Zeitpunkt, zu dem sie sagt, sie wolle nicht mehr mit mir baden, kommt noch früh genug. Darum halte ich es so: Die, die baden wollen, sollen baden. Und die, die alles pädophilisieren wollen, sollen mal kalt duschen.

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