Café Fédéral
Der Beruf der Antilopen

Im Zoo Zürich versucht man, den Tieren ihren Beruf zurückzugeben. Was seltsam klingt, ist ein Zitat des Zoo-Direktors. Doch was sollen die Tiere denn tun, wenn ihnen die Arbeit über den Kopf wächst?

Antonio Fumagalli
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Ein Bild aus Zeiten der Arbeitslosigkeit: Hirschziegenantilopen anno 2002 im Zoo Zürich.

Ein Bild aus Zeiten der Arbeitslosigkeit: Hirschziegenantilopen anno 2002 im Zoo Zürich.

Keystone

Wir haben etwas gestaunt, als kürzlich unter der Inland-Codierung der Schweizerischen Depeschenagentur eine Meldung mit folgendem Titel auftauchte: «Hirschziegenantilopen-Böcke treffen im Zoo Zürich auf Elefanten». Die schweizweite Relevanz der Nachricht erschloss sich uns nicht gleich auf Anhieb.

Wirklich interessant war dann aber erst die Lektüre des dazugehörigen Textes: «Wir versuchen in unserem Zoo die Tiere zu vergesellschaften und ihnen so ihren Beruf zurückzugeben», wird Zoo-Direktor Alex Rübel zitiert. Ihren Beruf? Ja. Rübel nennt die «natürliche Verhaltensweise» der Antilopen so.

Unabhängig davon, ob die Ausübung eines Berufs bei den Menschen zur natürlichen Verhaltensweise gehört, fragen wir uns, welche Konsequenzen diese Betitelung für die Paarhufer haben könnte. Was sollen sie denn tun, wenn ihnen die Arbeit über den Kopf wächst? Für eine gewerkschaftliche Revolte dürfte ihr Bestand im Zoo Zürich zu gering sein. Oder eilen dann die nun mit ihnen verbrüderten Elefanten zu Hilfe? Und: Wie steht es eigentlich so mit der Arbeitslosenquote bei den Hirschziegenantilopen-Böcken? Kriegen sie Steuererleichterungen, wenn sie den Stall wechseln?

Fragen über Fragen. Klar ist eigentlich nur eines: Sollte sich ein Tier durch besonders emsige Tätigkeit eine Lohnerhöhung in Form von Naturalien erarbeiten, würde das den Zoo Zürich kaum in den finanziellen Ruin treiben – Hirschziegenantilopen fressen nur Blätter und Gras.