Kommentar
Nach dem starken Anstieg der Neuinfektionen: Folgt nun die nächste Runde im Corona-Rösslispiel?

Die Zahl der neugemeldeten Coronafälle steigt stark an. Im Verbund mit der vergleichsweise tiefen Impfquote der Schweiz ist das kein gutes Vorzeichen für die geplante Normalisierung.

Roman Schenkel
Roman Schenkel
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Die Maske dürfte uns im öffentlichen Verkehr noch lange begleiten.

Die Maske dürfte uns im öffentlichen Verkehr noch lange begleiten.

Urs Flueeler / KEYSTONE

Eigentlich sollte die Schweiz schon bald in die Normalisierungsphase übergehen. Wenn alle impfwilligen Erwachsenen immunisiert sind, sind keine starken Einschränkungen mehr gerechtfertigt. So sieht es der Plan des Bundesrats vor.

Jedoch verläuft die epidemiologische Entwicklung in eine andere Richtung. Wie im letzten Jahr verbrachte die Schweiz einen sorglosen Sommer, wie im letzten Jahr steigen nun wieder die Zahlen. Gestern meldete der Bund 1910 Neuinfektionen. Letztmals waren es im Mai so viele. Der starke Anstieg, ist primär auf die Delta-Variante zurückzuführen. Sie ist viel leichter übertragbar als die zuvor dominante Alpha-Variante.

Die jüngsten Zahlen sind auf den ersten Blick ein kleiner Schock. Man wähnt sich schon auf der nächsten Runde im Corona-Rösslispiel. Dank des Impfstoffs ist die Ausgangslage heute aber eine fundamental andere. Ein Grossteil der gefährdeten Bevölkerungsgruppen ist geimpft oder könnte sich impfen lassen.

Die Strategie, bei der Bekämpfung des Virus allein an den Infektionszahlen auszurichten, macht deshalb keinen Sinn mehr. Viel wichtiger ist die Situation in den Spitälern: Dort hat man die Lage derzeit im Griff.

Und dennoch: Es verbleibt ein ungutes Gefühl. Die steigenden Fallzahlen kombiniert mit der aktuellen Impfquote in der Schweiz – die tiefste in ganz Westeuropa! – lassen die kommende Entwicklung erahnen. Der Plan des Bundesrats geht deshalb nur auf, wenn auch die Impfquote zügig steigt.

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