Gastkommentar
Emsiges Kreisen im Kreis

Gastkommentar von Rhaban Straumann zu Strassen, Medien und Internetshopping.

Rhaban Straumann
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Alles dreht sich immer irgendwie im Kreis. Kann man daraus ausbrechen?

Alles dreht sich immer irgendwie im Kreis. Kann man daraus ausbrechen?

Matthias Kessler

Die Welt ist im Fluss. Leben, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, alles dreht sich. Hier im Kreis, dort darf man es Teufelskreis nennen. Manche Kreisläufe wirken logisch, andere sind es, etliche sind simpel gestrickt, komplex sein können Teufelskreise.

Um heute aus dem einen oder anderen Karussell ausbrechen zu können, hätte die Politik vor Jahren oder Jahrzehnten entsprechende Weichen stellen sollen. Zwei einfache Beispiele: Je mehr Verkehr, umso mehr Strassen, desto mehr Verkehr, umso mehr Strassen, desto mehr und so weiter. Das gilt nicht für Büroflächen. Hier darf auch ohne Nachfrage gebaut werden. Ein Kreislauf ist es trotzdem, nur nicht ganz koscher.

Komplex sind folgende Kreiselbewegungen: Je dünner die Kapazität einer Regionalredaktion, umso weniger wird über Regionales berichtet. Desto grösser der Schwund an Abonnements. Umso luftiger die Kasse. Desto schmaler die Kapazität.

Umso geringer der Platz für Regionales. Also weniger Abonnements. Desto bescheidener das Interesse an Regionalem. Umso grösser der Verdacht, das Angebot schafft sich die Nachfrage selber ab.

Je dürftiger die Nachfrage, desto geschrumpfter das Budget. Umso herziger die Kulturredaktion. Desto mehr Fokus auf Populärem. Umso weniger Besprechungen zu kulturellen Veranstaltungen.

Desto kleiner das Bewusstsein des breiten Publikums zum Kulturleben einer Region. Umso härter der Kampf um Wahrnehmung der kleinen Veranstalter und Künstlerinnen. Desto dünner deren finanziellen Möglichkeiten. Umso mickriger der Werbebatzen. Desto ferner das abwesende Publikum. Umso rarer die Auftritte.

Desto begehrter das kleine Glück auf eine Besprechung in einer Zeitung. Umso popeliger die Chance bekannt zu werden, weil tiefer die Versenkung und höher die Hürden.

Je schwächer die Presse, desto empfänglicher für Populismus, umso stärker Letzterer, desto einfacher die Argumente und gross die Angstmacherei. Umso herausfordernder wird es für Zusammenhänge. Desto grösser die Chancen für Populisten, desto haarsträubender deren Argumente und erschreckender die Zustimmung.

Auch populär: Je mehr Einkaufsflächen, umso grösser der Kampf um Kundschaft. Je mehr Internetshopping, umso grösser der Kampf um Kundschaft. Je mehr Möglichkeiten ennet der Grenze, umso dito. Je heftiger der Kampf, umso kleiner die Chancen der Kleinen. Je kleiner deren Chancen, umso mehr kleine Geschäfte verschwinden.

Desto armseliger das Angebot. Umso mehr schrumpft die Nachfrage. Desto mehr kauft Volk im Internet, in Einkaufszentren dies- und jenseits der Grenze. Umso grösser die Leerflächen in den Städten, desto mehr sinken die Mieten, umso grösser der Hoffnungsschimmer für die kleinen Detailhändler. Sollte man annehmen. Doch Mieten sinken kaum. Hier verhält sich der Markt höchst seltsam. Wie kommt das?

Je verstrickter die Verflechtungen, umso kleiner der Wille, einen Teufelskreis zu durchbrechen. Und manch eine Entscheidung verlangt Weitsicht über eine Amtsperiode hinaus. Zum Glück gibt es Ausnahmen, die leider Regeln bestätigen.