Persönlich
Das Katzenprojekt

Urs Byland
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Léon, Jörg, Luna und Lara

Léon, Jörg, Luna und Lara

Urs Byland

Eine emotional aufputschende Geburt, gefühlt 100 durchwachte Nächte, eine zweite Katzentür installiert, deswegen die Katzenmutter gechippt, mindestens 200 Büchsen Fleisch und mehrere Säcke Trockenfutter angeschleppt, Körbe, Plastikkisten, Spielzeuge gekauft, den Balkon mit beissfestem Katzennetz verbaut, nach langem Zögern und kurz bevor die Möbel durchgebissen wurden, doch noch einen Katzenbaum angeschafft, Tonnen von Katzenstreu hin und her transportiert, Kotgestank ignoriert, diverse Teppiche und Tücher kurzerhand entsorgt, mehrere Tierarztbesuche und die Krankheiten der Jungen kuriert, zum Lohn unzählige Kratzer der sich sträubenden Jungkatzen erhalten, geschätzt fünf Blindschleichen, fünf Kleinvögel, einen Grossvogel und zirka 40 Mäuse, zwei Libellen und einen Heugümper, alle angeschleppt von der Katzenmutter als Ergänzungsnahrung für die Jungen, mit einem Tuch bedeckt und entweder im Kompost (das waren die härtesten Momente) oder, wenn noch ein Lebenszeichen zu verspüren war, im nahen Wald entsorgt.

Aber sie waren herzallerliebst und sorgten mit ihren Kapriolen für unvergessliche Tage und Nächte: Lara, das Hippiemädchen, Luna, die Verträumte, Léon, der Starke, und Jörg, der Kuschelige. Das Projekt ist beendet. Sie haben neue Besitzer gefunden. Die Mutter ist sterilisiert (einmal reicht). Die Katzenstube ist leer.

urs.byland@chmedia.ch